Wochenkommentar über die Stärkung des Standorts Zürich durch den neuen Hochschulcampus
Das Toni-Areal als Motor für die Kreativwirtschaft

Die Hochschule der Künste konzentriert ihre Kräfte im Toni-Areal. Wird daraus ein Hotspot kreativen Schaffens? Und kann der Hochschulcampus zum Motor die Kreativwirtschaft werden? Sicher ist:: Bildung und Wissenschaft derzeit gross geschrieben.

Jürg Krebs
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Früher wurde im Toni-Areal das «Joghurt im Glas» produziert. Nun werden hier Kreativkräfte ausgebildet.

Früher wurde im Toni-Areal das «Joghurt im Glas» produziert. Nun werden hier Kreativkräfte ausgebildet.

KEYSTONE

Die Hochschulbildung kennt in der Stadt Zürich pompöse Symbole: Die Hauptgebäude von ETH und Universität thronen über der Limmat. Sie bilden eine Art Skyline, sind Denkmäler des Bildungsbürgertums, Sinnbilder für den Stellenwert von Wissen und Wissenschaft in der Zwinglistadt. Mit dem Hochschulcampus auf dem Toni-Areal in Zürich-West reiht sich – in zeitgemässer Architektur – ein weiteres Symbol ein. Bildungsdirektorin Regine Aeppli sprach anlässlich der gestrigen Einweihungsfeier von einem «Leuchtturm».

Auf dem Toni-Areal ist alles einen Tick grösser

Die Dimensionen sind für Schweizer Verhältnisse riesig: 170 Meter lang, 90 Meter breit und überragt von einem 75 Meter hohen Wohnturm. Das Gebäude, es ist sogar voluminöser als die ETH mit ihrer Kuppel, vereint die Hochschule der Künste (ZHdK) und zwei Departemente der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). 500 Millionen Franken wurden in den Umbau des «Toni»-Gebäudes gesteckt, wo der einst grösste Milchverarbeitungsbetrieb Europas bis 1999 «das Joghurt im Glas» herstellte. 139 Millionen hatte der Kantonsrat für den Innenausbau bewilligt. 5000 Studierende, Dozenten und Mitarbeitende finden im Campus mit seinen 1400 Räumen Platz. Jährlich sollen 600 Konzerte, Ausstellungen und Happenings dafür sorgen, dass die Kunsthochschule im Gespräch bleibt. Doch lohnt sich dieser Gigantismus?

Nicht erst, seit die Banken sich von Krise zu Skandal hangeln, ist Bildung das vielleicht grösste Kapital der Schweiz. Der Bankenplatz Zürich ist nämlich auch ein Bildungsplatz. Es werden grosse Anstrengungen unternommen, dieses Kapital zu mehren. Zwei Beispiele:

Das Hochschulquartier: Zu Wochenbeginn haben Stadt und Kanton Zürich zusammen mit ETH, Uni und Universitätsspital ihre 6-Milliarden-Pläne für ein neues Hochschulquartier zwischen Limmat und Zürichberg vorgestellt. Rund um die bestehenden Einrichtungen sollen die Kräfte konzentriert werden und letztlich die Forschung beflüglen.

Innovationspark: Anfang Monat wurde Dübendorf als einer von zwei Hubs des nationalen Innovationsparks vom Bundesrat abgesegnet. Dort sollen Wissenschaft und Wirtschaft zueinanderfinden.

Dass sich Investitionen in die Bildung lohnen, lässt sich an kreativen Hotspots wie dem Technopark neben dem neuen Hochschulcampus oder dem Bio-Technopark in Schlieren beobachten. Jungunternehmen transformieren dort die Innovationen aus dem Wissenschaftsbereich der Hochschulen in die Wirtschaft. Das bringt Arbeitsplätze, befeuert die Volkswirtschaft und trägt letztlich dazu bei, den Wohlstand zu mehren. Zürich als Wirtschaftsmotor der Schweiz wird damit gestärkt.

Der Austausch von Ideen fördert die Innovationskraft

Natürlich, die Hochschule der Künste ist schon länger in Zürich präsent, war aber auf fast 40 Standorte verteilt. Der Zusammenzug von Tanz, Theater, Musik, Medien oder auch Design auf dem Toni-Areal bildet einen Meilenstein ihrer Geschichte. Einerseits, weil nun alles unter einem Dach konzentriert ist, andererseits, weil dies den Austausch von Ideen und damit letztlich Innovationen fördert – ETH und Uni haben es – wie beschrieben – vorgemacht.

Und so wie ETH und Uni derzeit der Life-Science-Branche Flügel verleihen, könnte die Hochschule der Künste – etwa durch den Bereich Design – die Kreativwirtschaft unterstützen und damit Wirkung entfalten. Genau deren Förderung liegt Stadtpräsidentin Corine Mauch so am Herzen, um das Klumpenrisiko, das Banken und Versicherungen für die Zürcher Wirtschaft bedeuten, minimieren zu können. Mag sein, dass Regine Aeppli auch deshalb den Hochschulcampus als «Kraftort» bezeichnet.

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