Wochenkommentar über Sinn und Zweck des Bezirks Dietikon
Das Limmattal hat sich in 25 Jahren Gehör verschafft

Wozu ist ein Bezirk gut? Diese Frage stellte sich vor 25 Jahren, als der Bezirk Dietikon gegründet worden war. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir wissen heute, dass die Limmattaler Gemeinden im Kanton politisch an Bedeutung gewonnen haben.

Jürg Krebs
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Am 1.Juli feierten die Bezirksbehörden 25 Jahre Bezirk Dietikon. Fahnen der elf Bezirksgemeinden.

Am 1.Juli feierten die Bezirksbehörden 25 Jahre Bezirk Dietikon. Fahnen der elf Bezirksgemeinden.

Alex Rudolf

Ist der Bezirk Dietikon mehr als nur eine Verwaltungseinheit im Sandwich von Gemeinden und Kanton? Er existiert nun seit 25 Jahren, und die Erfahrung, vor allem der letzten Dekade, zeigt, ohne die Bezirksgründung hätte die Region nicht derart an Bedeutung gewonnen. Die Geschichte hat damit begonnen, dass die elf Gemeinden des heutigen Bezirks Dietikon aus dem Schatten der übermächtigen Stadt Zürich treten sollten, der sie angegliedert waren. Die Idee für die Sezession stammte aus Birmensdorf, doch die Bezirksgründung wurde zur Zangengeburt – gegen den Willen der Betroffenen. Tempi passati. Die Existenzberechtigung des Bezirks Dietikon ist kein Thema mehr. Der Bevölkerung ist er im schlimmsten Falle egal. Im besten Falle erkennt sie die Vorteile an.

Industrieanlagen liegen neben Weinbergen

Selbst die Gemeinden – also Dietikon, Schlieren, Urdorf, Oberengstringen, Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil, Oetwil, Uitikon, Birmensdorf und Aesch – mussten den Wert der neuen Gemeinschaft erst entdecken. Zwar sind sie noch heute keine eingeschworene Truppe, was angesichts der grossen Charakterunterschiede der Gemeinden schon fast ein Wunder wäre. Der Bezirk Dietikon ist an Vielfalt kaum zu überbieten: Industrieanlagen neben Weinbergen, Kühe neben Autobahnen, Webers fantastische Figuren neben grauen Betonwüsten.

Gemeinschaftsgeist und Konkurrenzkampf

Der Stolz der Gemeinden, in den jährlichen Attraktivitätsvergleichen die Nase vorn zu haben, zeigt, es herrscht noch immer ein (gesunder) Konkurrenzkampf. Spätestens wenns aber ums Geld geht, hört der Spass auf, stösst die Solidarität an Grenzen. Daran scheiterte rechts der Limmat die Idee eines gemeinsamen Zentrums Wohnen im Alter. Und obwohl die Urdorfer Kunsteisbahn der ganzen Region zugutekommt, lehnen die Nachbarn eine Kostenbeteiligung ab.

Es lässt sich dennoch beobachten, dass eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls mit der Siedlungsentwicklung einhergeht. Es findet zusammen, was zusammenwächst. Besonders wertvoll ist das Bezirksgebilde, wenn es darum geht, Anliegen gegenüber Kanton oder Bund zu vertreten oder durchzusetzen. Nicht die Verwaltungseinheit ist also besonders wertvoll, sondern der Aspekt, im gleichen Boot zu sitzen. Der Kampf gegen den Containerterminal Gateway oder gegen Flug- oder Bahnlärm zeigen das klar. Spannen die elf Bezirksgemeinden zusammen, bilden sie eine kritische Masse, einen Resonanzraum gar, der stark genug ist, Forderungen bis zum Regierungsrat hinauf hörbar zu machen. Im Falle der Forderung nach einer Überdeckung der A1 vor dem Gubristportal erreichte der Limmattaler Ruf sogar Bern. Es wäre mehr möglich: zum Beispiel wenn es darum geht, mit dem Kanton eine Lösung für die Soziallasten der Städte Dietikon und Schlieren zu finden. Denn gesunde Zentren stärken den Bezirk.

Der Kanton hört nicht am Escher-Wyss-Platz auf

Der Bezirk Dietikon hat heute eine grössere Bedeutung als vor 25 Jahren. Die Zürcher Kantonsregierung hat die Region wiederholt als zukunftsträchtig für Wirtschaft und Wohnen bezeichnet. Kein Wunder: Die Region hilft mit, dass der Kanton Zürich der Wirtschaftsmotor der Schweiz bleibt und die Stadt Zürich als lebenswerteste Stadt der Welt gilt. Das mehrt das Ansehen der elf Gemeinden und deren politisches Gewicht. Selbst im entfernten Zürcher Oberland dürfte mittlerweile bekannt sein, dass der Kanton Zürich nicht hinter dem Escher-Wyss-Platz aufhört und das Limmattal mehr ist als der Hinterhof der Stadt Zürich – viel mehr.

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