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Das Gerede von der heutigen Jugend

Der Kanton Zürich spart beim Berufsvorbereitungsjahr 1,4 Millionen Franken pro Jahr.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Der Übergang von der Schule ins Berufsleben fällt nicht allen Jugendlichen leicht. Ein Berufsvorbereitungsjahr kann dabei helfen. Keystone

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben fällt nicht allen Jugendlichen leicht. Ein Berufsvorbereitungsjahr kann dabei helfen. Keystone

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Es ist wohl so alt wie die Menschheit: Das Gerede von der heutigen Jugend, die nicht mehr so willensstark, zielstrebig oder fleissig wie die Altvorderen sei. Schon dem Philosophen Sokrates aus dem antiken Athen wurden solche Aussagen zugeschrieben. Gestern bemühten diverse Kantonsräte wieder einmal ähnliche Phrasen. Anlass war ein Postulat, mit dem die FDP die Reduktion des Angebots an Berufsvorbereitungsjahren anpeilt. Begründung: Die Zeiten des Lehrstellenmangels seien vorbei. Daher sei es in vielen Fällen nicht mehr angebracht, wenn Jugendliche im Berufsvorbereitungsjahr nach der obligatorischen Schulzeit wertvolle Monate verbummelten, statt sich direkt ins Berufsleben zu stürzen.

Solche holzschnittartigen Vereinfachungen werden allerdings der Realität nie gerecht. Es gibt viele Gründe, die den Einstieg ins Berufsleben verzögern können: Unsicherheit, fehlende Lehrstellenangebote im gewünschten Beruf, aber auch Nachholbedarf in einzelnen Schulfächern und Kompetenzen. Ein Berufsvorbereitungsjahr kann durchaus sinnvoll sein, wenn der danach eingeschlagene Weg umso überzeugter und zielstrebiger gegangen wird.

Daher ist Vorsicht geboten, wenn die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) jetzt aus Spargründen den Rotstift beim Berufsvorbereitungsjahr ansetzt und die entsprechenden Mittel um zehn Prozent kürzt. Die Ressourcenverschleuderung wäre gross, wenn die heutige Jugend künftig das erstbeste Berufsangebot annehmen müsste, ohne davon überzeugt oder dazu geeignet zu sein.

matthias.scharrer@azmedien.ch