Kommentar
Asylstrategie: zu gut, um wahr zu sein?

Per Ende Jahr kündigt die Gemeinde Oberengstringen ihre Verträge mit der Asylorganisation Zürich (AOZ) und nimmt die Zügel selber in die Hand. Der Grund für diese Massnahme: Die Gemeinde ist mit den Leistungen, welche die AOZ erbringt, unzufrieden.

Alex Rudolf
Alex Rudolf
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Das Asyldörfli Lanzenrain erfährt nebst einer sanften Sanierung auch einen Führungswechsel: Die Gemeinde schreibt 120 Stellenprozente aus.

Das Asyldörfli Lanzenrain erfährt nebst einer sanften Sanierung auch einen Führungswechsel: Die Gemeinde schreibt 120 Stellenprozente aus.

Alex Rudolf

Das Problem ortet die Gemeinde bei der mangelnden Integration der Asylsuchenden. Dies bekämpft sie, indem sie auf Anfang 2016 das – gemeindeeigene – Betreuungspersonal der 25 bis 35 Asylsuchenden aufstockt. Dabei erwarten die Verantwortlichen gleichbleibende Kosten. Geht die Rechnung auf, dürfte es wegen der intensiveren Betreuung nur Gewinner geben: Die Asylsuchenden würden sich hier besser zurechtfinden, das Konfliktpotenzial mit den Einwohnern würde reduziert und den Steuerzahler würde dies nicht mehr kosten.

Nun: Dies klingt fast ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Ob eine intensivere Betreuung mit gleichbleibenden Kosten erreicht werden kann, kann ohne eine nachvollziehbare Auflistung der AOZ-Leistungen nur schwer beurteilt werden. Eine solche fehlt laut dem Oberengstringer Sozialvorstand Kurt Leuch, die AOZ nimmt dazu keine Stellung. Ist die Leistung der AOZ jedoch tatsächlich so schlecht und sind die Kosten dafür derart hoch, stellt sich zudem die Frage, warum andere Gemeinden die Trennung von der Asylorganisation noch nicht in Erwägung gezogen haben. Sollte die Rechnung Oberengstringens jedoch aufgehen, dann muss sich die AOZ gegenüber ihren rund 20 anderen Mandatsgemeinden rechtfertigen.