Kommentar
Am Ende bleibt Kulturlandschutz light

Die Zürcher Stimmberechtigten lehnen die Umsetzungsvorlage zur Kulturlandinitiative ab.

Matthias Scharrer
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Vor vier Jahren erhielt die Kulturlandinitiative noch 55 Prozent Zustimmung, gestern wurde sie abgelehnt (Symbolbild).

Vor vier Jahren erhielt die Kulturlandinitiative noch 55 Prozent Zustimmung, gestern wurde sie abgelehnt (Symbolbild).

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Das Ergebnis überrascht: Nach jahrelangem politischen und juristischem Hin und Her haben Herr und Frau Zürcher ihr Stimmverhalten markant geändert. Stimmten 2012 von knapp 55 Prozent für die Kulturlandinitiative der Grünen, so waren beim Urnengang vom Sonntag nun nur noch 41 Prozent für die entsprechende Umsetzungsvorlage. Dabei hatten die Grünen nun neu auch den Zürcher Bauernverband auf ihrer Seite. Wie ist dieser vermeintliche Meinungsumschwung bei den Stimmberechtigten zu erklären? Und: Bleibt der vom Volk 2012 eingeforderte Kulturlandschutz nun aus?

Ein wesentlicher Erklärungsfaktor liegt in der kantonalen Richtplanrevision von 2014. Damit haben Kantons- und Regierungsrat der Zersiedelung einen Riegel vorgeschoben. Die Grünen wollten einen noch stärkeren Kulturlandschutz gesetzlich verankern. Doch die Mehrheit der Stimmberechtigten liess sich offenbar überzeugen, dass mit der Richtplanrevision genug für den Kulturlandschutz getan sei. Und selbst die Grünen erklären nun, die Kulturlandinitiative habe die Richtplanrevision positiv beeinflusst. Kommt hinzu, dass die Debatte über Zersiedelung im Zusammenhang mit Einwanderung und Bevölkerungswachstum inzwischen an Virulenz verloren hat. Am Ende bleibt Kulturlandschutz light. Doch wie nachhaltig der Schutz ökologisch hochwertiger Landwirtschaftsflächen künftig betrieben wird, wird sich zeigen. Baudirektor Markus Kägi (SVP) sagt, dass Einzonungen nur noch in «sehr begründeten Ausnahmen» möglich sein werden. Es gilt wachsam zu bleiben.

matthias.scharrer@azmedien.ch