Asylverfahren
Absurdes Asylwesen

Asylbewerber dürfen oft nicht arbeiten. Obwohl die Bereitschaft da wäre - und der Bedarf auch.

von Tobias Hänni
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Die beiden Tibeterinnen Tenzin Yangzom Norgyaltsang (links) und Choedon Ayra sind seit einigen Jahren in der Schweiz. In Dietikon säubern sie regelmässig die Strassen.Tobias Hänni

Die beiden Tibeterinnen Tenzin Yangzom Norgyaltsang (links) und Choedon Ayra sind seit einigen Jahren in der Schweiz. In Dietikon säubern sie regelmässig die Strassen.Tobias Hänni

Tobias Hänni

Führen Sie sich einmal diese Absurdität vor Augen: Da suchen einerseits gewisse Unternehmen händeringend nach Lehrlingen und ganze Branchen jammern über fehlende Fachkräfte. Und dann gibt es andererseits Flüchtlinge wie Choedon Ayra und Tenzin Yangzom Norgyaltsang, die unbedingt arbeiten möchten. Sie wollen nicht auf Kosten der Gesellschaft leben, müssen es aber und das seit Jahren. Weil sie den Status des Asylbewerbers haben, ist es ihnen faktisch nicht vergönnt, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Immerhin: In Dietikon ist es Asylsuchenden erlaubt, den Müll jener wegzuräumen, die das Glück haben, in diesem Land geboren zu sein oder leben zu dürfen, aber nicht den Respekt, diesem auch Sorge zu tragen.

Programme wie «Für ein sauberes Dietikon», die den asylsuchenden Menschen eine Tätigkeit geben, sind sinnvoll. Trotz der wenig anspruchsvollen, kaum integrativen und schlecht bezahlten Arbeit: Das Programm wird von den Asylsuchenden geschätzt. Es erhält ihnen neben ein wenig finanzieller Unabhängigkeit auch ein bisschen Würde, nachdem sie für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft oft alles andere geopfert haben – die Heimat, die Familie, das hart Ersparte eines halben Arbeitslebens. Doch die Programme ändern wenig an der grundsätzlichen Problematik: Die Schweiz will gewissen Menschen offenbar kein Asyl gewähren, auch kein vorläufiges. Und so werden sie oft jahrelang in einem arbeits- und rechtlosen Vakuum gefangen gehalten. Das ist nicht nur völlig absurd, sondern auch kurzsichtig. Denn der dringende Bedarf nach Lehrlingen und Arbeitskräften in einigen Branchen wird die nächsten Jahre nicht zurückgehen.