Basler Kommentar
Wie die Pilze im Wald: Der Turmbau im Basler Herbst

Es ist Herbst - und da schiessen die Pilze bekanntlich zahlreich aus dem Boden. Und anscheinend auch die Hochhäuser in Basel. Der Basler Kommentar über Claraturm, Central Park und Mieterschutz.

Christine Keller
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Wie die Pilze schiessen die Hochhäuser im herbstlichen Basel aus dem Boden. (Visualisierung: Claraturm)

Wie die Pilze schiessen die Hochhäuser im herbstlichen Basel aus dem Boden. (Visualisierung: Claraturm)

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Wie befürchtet. Seit Erscheinen der letzten Kolumne ist der Herbst ausgebrochen. Die Temperaturen fallen. Heiss ist nur noch der deutsche Wahlkampf in der Endphase. Es erhitzen sich die Gemüter (auch im Twitter-#Neuland) aktuell ob des Stinkefingers von Peer Steinbrück. In einem Interview notabene, in dem er nur mit Gesten antworten durfte. Contenance, liebe Deutsche! Bei uns sagt der Bundespräsident «Aff» zu einem Journalisten. Und verlangt auch noch eine Entschuldigung von den Beleidigten.

Zurück zum Herbst. Er hat auch seine schönen Seiten. Bunte Farben, neuer Wein in den Straussis, und: Zur Freude der Kolumnistin schiessen jetzt die Pilze im Schwarzwald aus dem Boden wie die Hochhäuser in Basel. Denn es kommt in unserer Stadt nun nach Messeturm und wachsendem Roche-Turm das Projekt Claraturm, über das demnächst abgestimmt wird. Ob damit «Tsüri», das sich erdreistet hat, einen noch höheren «Prime Tower» zu bauen als wir, in die Schranken gewiesen werden soll... ?

Turmbau zu Bas(b)el? Das Sprachengewirr am Bau wird wohl babylonisch sein. Denn wie immer werden vor allem Arbeitskräfte aus dem Ausland dafür sorgen, dass die Basler Häuser in den Himmel wachsen können. Zu hoffen ist, dass dieses Mal alle Arbeiter korrekt, ohne Lohndumping, bezahlt werden. Damit sind wir beim gewichtigen Argument gegen den Bau. Der ohnehin Lärm geplagten Kleinbasler Bevölkerung soll nach dem Messeneubau schon wieder eine Grossbaustelle zugemutet werden. Eine bittere Pille.

Andere Gegenargumente überzeugen nicht. So kann der Abbruch des Warteck-Ensembles auch mit der Ablehnung des Projekts an der Urne nicht verhindert werden! Das Projekt schafft mit der «Verdichtung nach oben» 170 Wohnungen mehr als heute. Und dass das neue Hochhaus städtebaulich am ehesten an den vorgesehenen Ort passt, leuchtet mir auch ein. Für mich überwiegen die Pro-Argumente. Und die städtebaulichen Abstimmungsvorlagen vom kommenden Wochenende? Central Park: Nicht überzeugendes Konzept versus sympathische Vision? Der Basler Bahnhof soll kein Unort bleiben. Ich werde der unformulierten Initiative wohl zustimmen.

Ablehnen werde ich dagegen den Gegenvorschlag zur Mieterschutz-Initiative - für einmal gegen die Mehrheit meiner Partei. Auch wenn er vor allem für die Genossenschaften auch Gutes enthält. Neuer Wohnraum soll gebaut werden können in Basel. Wenn aber ein - sich wohl noch verstärkendes - öffentliches Interesse an der Erhaltung von preisgünstigem Wohnraum gemäss Gegenvorschlag beim Bewilligen eines Abbruchs gar keine Rolle mehr spielen soll, wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Hier muss zumindest eine Güterabwägung im Einzelfall stattfinden. Dabei soll wie bisher das Know-how der Mietschlichtungsstelle einfliessen. Die Initiative ihrerseits geht mir mit den Zonierungen für preisgünstige Wohnungen zu weit. Ich stimme zwei Mal Nein. Das schafft Raum für eine neue, ausgewogenere Vorlage.

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