Zwischenruf
Oh du Bierselige

Beim morgendlichen Glühwein blieb am Freitag dem Politbeobachter beinahe das Brunzli im Halse stecken. Im Postfach fand sich gute, neue Mär von der SWP (Schweizerische Weihnachtspartei).

Jonas Hoskyn
Jonas Hoskyn
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Ziemlich unfair: Während sich das Fussvolk weiterhin tagtäglich über die Brücke drängeln müsste, würde das neue Verkehrsregime für den Weihnachtsmann wohl nicht gelten. (Montage)

Ziemlich unfair: Während sich das Fussvolk weiterhin tagtäglich über die Brücke drängeln müsste, würde das neue Verkehrsregime für den Weihnachtsmann wohl nicht gelten. (Montage)

bz

Diese verkündete grosse Freud. Ein «Weihnachtsstadt»-Konzept für Basel soll entstehen – gleich der Ros’ aus einer Wurzel zart. Angedacht ist eine Weihnachtsbeleuchtung vom Badischen bis zum Bahnhof SBB und ein Weihnachtsmarkt am Rheinufer.

Die Politphantasie blüht halt nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit. Organisieren und berappen soll dies alle Jahre wieder der Kanton. Ans Finanzdepartement ergeht die Forderung «Macht hoch die Tür, die Tor› macht weit!»

Nun ist es ja grundsätzlich zu begrüssen, dass die Partei, die in Sachen Staatsausgaben während alles schläft einsam wacht, nun zur gnadenbringenden Weihnachtszeit so lieblich schallt. Lustig, lustig, tralalalala!

Allerdings dürfte sich die Umsetzung in der Praxis eher schwierig gestalten. So hat Maria wegen Verstoss gegen das Kopftuchverbot eine Busse gefasst. Wirtschaftsflüchtling Josef droht derweil die Abschiebung. Die drei Weisen aus dem Morgenland hängen wegen der Masseneinwanderungsinitiative seit zwei Wochen am Grenzübergang Weil-Friedlingen fest. Und auch die Hirten hadern: Ihr schwarzes Schaf wurde kurzerhand rausgekickt.

Allerdings dürfte die SVP ihr Interesse spätestens dann wieder verlieren, wenn sie realisiert, dass der Heiland laut der Bibel gar nicht aus Herrliberg stammt.