Der Geistschreiber
Grossmächtli

Der Geistschreiber über Nationalstolz. Willi Näf ist Autor, Ghostwriter und Satiriker. Der Heimwehappenzeller und Wahlbaselbieter leibt, lebt und schreibt in Bubendorf.

Willi Näf
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So idyllisch sieht es in New Glarus aus.

So idyllisch sieht es in New Glarus aus.

Screenshot: tangledupinfood.com

Ich mag die Schweiz. Sie ist weiblich. Der Schweiz würde ich nicht mögen, gäbe es ihn. Lieber die Schweiz als der Libanon, der klingt mir zu ungemütlich. Der Libanon war übrigens «die Schweiz des Orients». Bis zum Bürgerkrieg. Danach verschwand der Begriff. Schweiz nennt man nur, was niedlich, lieblich, verhügelt ist. Wo immer sich stolze Bürgermeisterinnen und verzückte Reiseführer in der Schweiz wähnten, setzten sie flugs unseren Namen ein. Allein in Deutschland gibt es 100 Schweizen, darunter eine Calauer Schweiz, ohne Witz. Aber kennt man ein Schanfigger Kleindeutschland? Eben. Wir sind ein imperialistisches Grossmächtli.

Die über 200 Schweizen liegen flott verstreut auf allen Kontinenten. Die Transnistrische Schweiz findet man in Transnistrien, sofern man Transnistrien findet. Der Vergnügungspark von Nischni Nowgorod geriet den Russen so hübsch, dass sie sich wohl gezwungen sahen, ihn Nischni Nowgoroder Schweiz zu nennen. Und in «America’s Little Switzerland», New Glarus, auf dessen Friedhof die Hoeslys und Luchsingers liegen, feiern die Lebenden dieses Weekend im Tell’s Shooting Park den Swiss Independence Day, including yodeling, thalerschwingen and Alphornman Triathlon.

Für die Benutzung unseres Landesnamens haben wir den ausländischen Schweizen nie Rechnungen gestellt. Für einen Imagebooster soll man nicht noch die hohle Hand machen. Auch der letzte Depp kommt im Ausland mit einem Sympathievorsprung an, sobald er sich als Schweizer ausweist. Darauf bin ich stolz. Grundlos zwar – Schweizer zu sein ist ja keine Leistung, sondern Glück – aber wenigstens ist meine Dankbarkeit grösser. Jedenfalls grösser als jene von Mswati III., dem König von Swaziland, unserem Nachbarstaat im Länderalphabet. Der hat letztes Jahr sein Swaziland doch tatsächlich umbenannt in Eswatini. Weil Swaziland ständig mit Switzerland verwechselt worden sei. Eeeehrewort. Manche Länder würden sich glücklich schätzen, mal mit der Schweiz verwechselt zu werden!

Beleidigt? Ich? Ach was. Doch nicht wegen einem Mswati III.! Wir haben sogar ein Little Switzerland of Himachal Pradesh, während dieser aufgeblasene Kerl nie ein Eswatini of Fünflibertal kriegen wird. Ausserdem ist sein Land geschlechtslos. Mswati III. hat zwar 13 Ehefrauen mehr als ich, Stand heute, aber ich habe die Schweiz.