Baloise Session
Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

Die Enttäuschung über die Absage des Morrissey-Konzerts an der Baloise Session war gross - die Erleichterung aber auch.

Moritz Kaufmann
Moritz Kaufmann
Drucken
Teilen
Morrissey konnte wegen Krankheit nicht an der Baloise Session teilnehmen.

Morrissey konnte wegen Krankheit nicht an der Baloise Session teilnehmen.

Es gehört zum Privileg des Journalisten, dass er seinen Interessen beruflich nachgehen kann. Dass er darüber berichten kann, was ihn persönlich bewegt. «Die Leidenschaft zum Beruf» gemacht, heisst es dann. Doch genau hier liegt eine der tiefsten Fallen im Journalismus. Leicht geht nämlich vergessen, dass der Journalist nicht für sich berichtet, sondern für ein Publikum. Und dieses hat gewisse Ansprüche. Es erwartet Sachkenntnis, eine gewisse Distanz und vor allem eine kritische Analyse des Geschehens.

In der Politik ist das einfach. Da geht es um Interessen und Mehrheiten. Es wird gestritten und taktiert. Am Ende gehts aber um das beste Argument. Da neutral und sachlich zu bleiben, ist keine Kunst.

Doch immer dann, wenn der Kritiker auch Fan ist, wirds schwierig. Wie soll man neutral und unvoreingenommen berichten, wenn das Objekt der Berichterstattung auch eine Leidenschaft ist? Wenn man schon unzählige Stunden damit verbracht hat? Als die Baloise Session ihr Programm bekannt gab, war ich elektrisiert: Morrissey kommt! Endlich wieder ein Konzert in der Schweiz. Das letzte war vor Jahren am Montreux Jazz Festival. Ich war natürlich da. Als Fan. Doch für die bz sollte ich zusätzlich über das Konzert schreiben. Je näher der Abend rückte, je grösser die Vorfreude wurde, desto stärker wurde auch die Nervosität. Würde es mir gelingen?

Und dann das: Morrissey ist krank. Das Konzert von gestern Abend ist ersatzlos gestrichen. Die Enttäuschung ist riesig. Die Erleichterung aber auch.

Aktuelle Nachrichten