Basler Kommentar
Central Park Basel vs. Zentralgrünanlage Bahnhof

Die Visionäre vom Central Park Basel sprechen ein junges, dynamisches, urbanes Publikum an. Dummerweise haben sie damit jene angesprochen, die zu Abstimmungsunterlagen ein eher distanziertes Verhältnis haben. Der Basler Kommentar zur Abstimmung.

Daniel Ordàs
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Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.
6 Bilder
Der Bahnhof Basel wie ihn Donald Jacob sich vorstellt.
Ein Treffpunkt für Jung und Alt
Der Park soll über den SBB-Geleisen gebaut werden.
Die Züge fahren somit unterirdisch.

Die neue Grünfläche des Central Parks Basel soll gleichzeitig als Lebensraum dienen und Stadt und Geleise besser erschliessen.

Zur Verfügung gestellt

Irgendwie höre ich beim Begriff «Central Park» markige Sprüche von Bruce Willis und pikante Dialoge zwischen Carrie und Samantha in «Sex and the City». Irgendwie scheint da die Sonne und joggende Manager überholen turtelnde Liebespaare. Irgendwie riecht es nach Pappbecherkaffee und ich fühle mich modern-urban. Irgendwie waren diese Assoziationen auch gewollt, als man die Begrünung der Bahngleise zwischen SBB-Passerelle und Margarethenbrücke - mit diesem Namen - ins Auge fasste.

Den Visionären vom Central Park Basel ist es schon mit dem Namen und den Assoziationen gelungen, ein junges, dynamisches, urbanes Publikum abzuholen, nur dummerweise haben sie gerade jene angesprochen, die zu Abstimmungsunterlagen ein eher distanziertes Verhältnis haben. Ein Blick in die Homepage www.centralparkbasel.ch bestätigt, dass dieses Projekt von Visionären und Gestaltern entwickelt wurde und sich dem politischen Kalkül entzieht. Die Videopräsentation begeistert jeden, besonders jene, die täglich an der Tristesse des heutigen Landschaftslochs vorbeifahren, doch darin liegt auch die Schwäche des Projekts. Dem Volk wird eine unformulierte Initiative im Sinne eines Grundsatzentscheids vorgelegt. Gleichzeitig werden hervorragende, Bildschirmpräsentationen vorgestellt, die einen das Gras an den Füssen spüren lassen. Da hat man wohl zu konkret erklärt, was gemäss Abstimmungsunterlagen zum Glück noch offen ist.

Die Vision ist genial, die Umsetzung erinnert an Elefanten im Porzellanladen. Offenbar wurde das politische Basel hüben wie drüben der Mitte überrumpelt. Es gibt keine Gegner der Idee einer «Zentralgrünanlage Bahnhof» (klingt zugegeben weniger sexy als Central Park Basel). Eigentlich finden es alle gut, wenn Basel 30 000 Quadratmeter mehr Grünflächen erhält, das Gundeli aus der Peripherie ins Zentrum rückt, neue Wohn- und Gewerbebauten entstehen, die neue Verbindung oberirdisch ist, und das Loch verschwindet. Eigentlich.

Zu Recht stören sich Politikerinnen und Politiker daran, dass man einen bis ins Detail ausgearbeiteten Entwurf als unformulierte Initiative einreicht, was zu grosser Verwirrung führen kann. Das Stimmvolk muss wissen, dass es «nur» über einen Grundsatzentscheid abstimmt und ein Zeichen setzt. Es ist aber ein gutes und wichtiges Zeichen.

Wir hätten uns gewünscht, dass der Dialog fliessender gewesen wäre und wir über ein fixfertiges Projekt abstimmen könnten. Jetzt muss man aber das Beste aus der Situation machen. Darum sage ich klar ja zur Initiative und ja zum Weiterplanen. Die SBB als Grundeigentümerin werden das Zeichen verstehen. Was am Ende gilt, ist der Auftrag im Abstimmungstext und nicht die Video-Animationen. Der Text erlaubt es Bund, Kanton, SBB, Privaten und Gewerbe, an der Idee weiter zu arbeiten. Ob Sie eher der Typ «Central Park Basel» oder «Zentralgrünanlage Bahnhof» sind, ein Typ «Rost-Schmutz-Lärm-Gleisfeld-im-Stadtzentrum» sind Sie sicher nicht.

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