Apropos
Wo der Feind lauert

Es gab eine Zeit, da hing das Telefon an der Wand. Immer schwarz. Dann gab es die Tisch- telefone, die den Hörer auf der Gabel trugen und meistens beige waren. Die Verbindung war manchmal grottenschlecht.

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Noch öfter als früher wird eine Verbindung auch einfach mal ohne Vorwarnung unterbrochen.

Noch öfter als früher wird eine Verbindung auch einfach mal ohne Vorwarnung unterbrochen.

Keystone

Telefonate ins Ausland meisterte man oft nur mit ungewohnt lauter Stimme. Immer wieder mal knisterte es im Hörer oder rauschte etwas. In solchen Fällen spöttelten wir: «Der KGB (der sowjetische Geheimdienst) hört mit.» Damals war eben noch allen klar, woher der Feind kommt.

Heute haben Telefone keine Gabel mehr, sondern stecken in eleganten Lederetuis. Jede und jeder trägt eines dieser hochtechnischen Dinger in der Hosen- oder Handtasche mit sich herum. Man kann damit noch ganz viel anderes machen als telefonieren.

Aber an der Sprachqualität beim Telefonieren hat sich irgendwie im Vergleich zu früher nicht viel geändert. Es rauscht und knistert zuweilen erbärmlich ins strahlend warm werdende Ohr – wie damals, als die Worte noch durch Leitungen gingen. Noch öfter als früher wird eine Verbindung auch einfach mal ohne Vorwarnung unterbrochen. Schuld daran trägt jetzt nicht mehr der KGB, sondern das «Funkloch».

Aber irgendwie, tief in unserem Innersten, wissen wir: Es ist nicht das Funkloch. Es ist doch der Feind. Fast wäre man froh, wenn man wie früher wüsste, wo er lauert und mithört.