Aargauer Schiedsrichter
Schiedsrichterin zwischen Kanzlei und Rasen

Wer hat die schwierigste Aufgabe im Fussball? Der Trainer? Der Stürmer? Der Torhüter? Die Funktionäre? Nein, alles falsch! Die schwierigste aller Aufgaben hat der Schiedsrichter. Oder im Fall von Michèle Schmölzer die Schiedsrichterin.

Ruedi Kuhn
Ruedi Kuhn
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Die Aargauer Fussballer gehen mit der Zeit und wählen mit Michèle Schmölzer (rechts) erstmals eine Frau als Schiedsrichterin des Jahres.

Die Aargauer Fussballer gehen mit der Zeit und wählen mit Michèle Schmölzer (rechts) erstmals eine Frau als Schiedsrichterin des Jahres.

Rainer Sommerhalder

Wer hat die schwierigste Aufgabe im Fussball? Der Trainer? Der Stürmer? Der Torhüter? Die Funktionäre? Nein, alles falsch! Die schwierigste aller Aufgaben bei der schönsten Nebensache der Welt hat der Schiedsrichter. Oder im Fall von Michèle Schmölzer die Schiedsrichterin.

Schmölzer kommt aus Niederwil, einem Nachbarort von Wohlen. Die 23-Jährige spielte seit frühester Jugend Fussball. Sie galt als Talent, musste ihre aktive Karriere wegen schwerer Verletzungen aber frühzeitig beenden. In den vergangenen Jahren wurde sie viermal im rechten Knie operiert. 2009 entschloss sich Schmölzer für eine Laufbahn als Schiedsrichterin.

In der Vorrunde dieser Saison leitete sie bei den Männern bereits Spiele der 2. Liga Inter. Und während der vierten Nacht des Aargauer Fussballs am vergangenen Samstag wurde sie zur Schiedsrichterin des Jahres gewählt. Bleibt der Traum, dass sie irgendwann in den kommenden Jahren internationale Spiele mit dem Fifa-Abzeichen auf der Brust leiten darf.

Michèle Schmölzer ist nicht nur eine gute Schiedsrichterin. Die Powerfrau ist auch ein helles Köpfchen. Im Alter von 19 Jahren schloss sie die Matura ab. Jetzt studiert sie im sechsten Semester Jus und absolviert ein 50-Prozent-Pensum in einer Anwaltskanzlei. Anfang dieser Woche schloss sie ihre Masterarbeit zum komplexen und sehr aktuellen Thema «Auslieferungshaft als Regel im Auslieferungsverfahren» ab.

Ist es Zufall, dass die talentierteste Nachwuchsschiedsrichterin der Schweiz aus dem Aargau kommt? Mitnichten! Unser Kanton ist eine Schiedsrichter-Hochburg: Mit Sascha Amhof und Fedayi San stellt das Rüebliland zwei von sieben Fifa-Schiedsrichtern mit Schweizer Pass. Michael Frey leitet Spiele im Beachsoccer mit dem Fifa-Logo auf der Brust. Und auf gleicher Stufe gibt es mit Susanne Küng und Belinda Brem zwei Assistentinnen aus dem Aargau. Die Schiedsrichter und Assistenten im Aargau sind spitze. Was man von den Fussballern in unserem Kanton wahrlich nicht behaupten kann.