«Tante Ju»
Nach Absturz: Der Meinungswandel der Ju-Air-Verantwortlichen ist bedenklich

Vier Tage nach dem Absturz einer Ju-52 am Piz Segnas haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, den Flugbetrieb noch im August wieder aufzunehmen. Der Kommentar.

Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
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Ein Ju-52-Flugzeug der Ju-Air in der Luft. Eine solche Maschine ist am Samstagnachmittag beim Piz Segnas oberhalb von Flims GR abgestürzt.

Ein Ju-52-Flugzeug der Ju-Air in der Luft. Eine solche Maschine ist am Samstagnachmittag beim Piz Segnas oberhalb von Flims GR abgestürzt.

KEYSTONE/JU-AIR/SUSANNE VENDITTI

Erst gestern war die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz im «Nordwestschweiz»-Interview noch voll des Lobes für die bisherige Kommunikation der Ju-Air-Verantwortlichen. Tatsächlich versuchte Geschäftsführer Kurt Waldmeier, der mit den verstorbenen Piloten befreundet war, im Nachgang zum Unfall transparent zu informieren. Und die Ankündigung, dass der Flugbetrieb erst bei näheren Erkenntnissen zum Unfallhergang wieder aufgenommen werde, war ein pietätvolles Zeichen gegenüber den Angehörigen der Opfer.

Doch nun der Meinungsumschwung – nur vier Tage nach der Tragödie, die 20 Menschenleben forderte. Ein Ju-Air-Sprecher gab bekannt, dass der Flugbetrieb bereits kommende Woche, am 17. August, wieder aufgenommen werden soll. Dieser Entscheid wirkt überhastet, denn noch vor kurzem erachteten sogar die Ju-Air-Verantwortlichen ein Ende der Rundflüge für möglich. Und konkrete Ergebnisse zur Unfallursache liegen bis heute nicht vor.

 Das Foto der Kantonspolizei Graubünden zeigt das Wrack.
11 Bilder
Medienkonferenz zur abgestürtzen «Tante JU» in Flims GR
Kurt Waldmeier, CEO von Ju-Air, zeigt sich an der Medienkonferenz vom Sonntag betroffen.
Helikotper bergen die Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.
Helikotper bergen die Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs.
Ein Archivbild einer JU-51 der JU-Air.
 Am Sonntag informierte die Kantonspolizei in Flims vor den Medien
 "Das Flugzeug ist nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt", sagte Daniel Knecht von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust).
 Die SUST ermittelt in alle Richtungen.
 Ausgeschlossen werden kann zum jetzigen Zeitpunkt eine Kollision mit einem Hindernis, Kabel oder einem anderen Fluggerät.
 Die Flugunfalluntersuchung kann sich auf die Aussagen mehrerer Augenzeugen stützen, sagte Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden.

Das Foto der Kantonspolizei Graubünden zeigt das Wrack.

AP

Irritierend ist der Entscheid nicht zuletzt angesichts des menschlichen Leids und der Emotionen, die der Absturz schweizweit ausgelöst hat. Nach dem schwersten Flugzeugunfall seit dem Crossair-Absturz 2001 wäre ein längerer Geschäftsunterbruch angebracht gewesen.

Denn trotz der Tragödie werden Aviatikbegeisterte aus nah und fern auch in Zukunft Rundflüge mit historischen Maschinen buchen. Die Realität ist nun mal: Trauer vergeht, Nostalgie bleibt.

benjamin.weinmann@azmedien.ch

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