Kommentar
«Friendly fire» ohne Folgen

Michael Wrase, Limassol
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Michael Wrase: «Die türkisch-russische Kooperation verdient Beachtung: Es ist das erste Mal, dass die Armee eines Nato-Mitglieds und Russland ihre Militäroperationen in Syrien eng abstimmen.» (Archivbild)

Michael Wrase: «Die türkisch-russische Kooperation verdient Beachtung: Es ist das erste Mal, dass die Armee eines Nato-Mitglieds und Russland ihre Militäroperationen in Syrien eng abstimmen.» (Archivbild)

KEYSTONE/AP/ALEXANDER ZEMLIANICHENKO

Die Türkei und Russland ziehen in Syrien offenbar weiterhin an einem Strang. Nicht einmal der Tod von drei türkischen Soldaten durch russisches «friendly fire» sorgt für grössere Missstimmung. Für den «unabsichtlichen Angriff» seiner Luftwaffe in der Nähe der Stadt al-Bab hat sich der russische Präsident Wladimir Putin sofort bei seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyib Erdogan entschuldigt. Bei dem Telefongespräch sei auch der Ausbau der militärischen Zusammenarbeit gegen den IS und andere extremistische Gruppen in Syrien vereinbart worden, heisst es aus Moskau.

Wichtigste Voraussetzung dafür ist eine möglichst reibungslose Übernahme von al-Bab. Die letzte grosse IS-Hochburg in Nord-Syrien ist seit einer Woche umzingelt. Im Norden und Osten stehen türkische Truppen und Einheiten der «Freien Syrischen Armee», im Süden und Westen Elitesoldaten der Assad-Armee und Hisbollah-Milizen. Während die russische Luftwaffe alle vier angreifenden Parteien unterstützt, beschränken sich amerikanische Kampfflugzeuge auf Interventionen zugunsten der türkischen Operation «Schutzschild Euphrat».

Die türkisch-russische Kooperation verdient Beachtung: Es ist das erste Mal, dass die Armee eines Nato-Mitglieds und Russland ihre Militäroperationen in Syrien eng abstimmen, dass türkische Offiziere um russische Luftunterstützung bitten können – und erhalten. Die USA werden über die russischen Aktivitäten ständig informiert. Eine enge militärische Kooperation zwischen Moskau und Washington, welche den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus enorm erleichtern würde, lässt indes auf sich warten.

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