Kommentar
Die Stimmbürger sind die ersten Gewinner

Urs Helbling
Urs Helbling
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Der Stadtratswahlkampf ist so spannend wie schon lange nicht mehr. (Symbolbild)

Der Stadtratswahlkampf ist so spannend wie schon lange nicht mehr. (Symbolbild)

Keystone

Stellt das grün-linke Lager in Aarau künftig fünf von sieben Stadträten? Verlieren sowohl die FDP als auch die SVP einen Sitz? Müssen Suzanne Marclay und Simon Burger um ihre Wahl zittern? Nach der gestrigen Bekanntgabe der wilden Kandidatur der Sozialdemokratin Silvia Dell’Aquila scheint alles möglich – auch das bisher Undenkbare.

Dell’Aquila ist eine Bereicherung für den Wahlkampf. Sie hat einen politischen Erfolgsausweis und kommt aus einem ganz anderen Milieu als die anderen Kandidaten. Dell’Aquila wäre die erste Seconda im Aarauer Stadtrat. Sie wäre die Erste, die aus ihrer Homosexualität keinen Hehl macht. Und die Erste, die ihre Bekanntheit erheblich den sozialen Medien verdankt.

Die Sozialdemokraten wissen um die Qualitäten von Dell’Aquila. Darum reagierten sie äusserst zurückhaltend auf ihren Tabubruch. Das Wort Parteiausschluss kommt in der Medienmitteilung nicht vor. Im Gegenteil: Es wird sogar eine Brücke gebaut für eine nachträgliche Unterstützung ihrer Kandidatur. Die basisdemokratische Diskussion soll am 30. August stattfinden.

Und wenn alles ganz anders läuft? Wenn die pointiert links politisierende Dell’Aquila scheitert, ist ihre Karriere in der Aarauer Politik zu Ende. Und wenn ihretwegen der SP-Spitzenkandidat Daniel Siegenthaler in Nöte geraten sollte, hätte die Partei ein ernsthaftes Problem.

Der Stadtratswahlkampf ist so spannend wie schon lange nicht mehr. Das ist gut für die Demokratie – und gefällt den Stimmbürgern.