Fahrländer
1. August ohne Knalleffekt

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der grossen Waldbrandgefahr war Feuerwerk am 1. August im Aargau verboten.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der grossen Waldbrandgefahr war Feuerwerk am 1. August im Aargau verboten.

Sandra Ardizzone

Dank dem Fehlen von Krachern und Knallfröschen kamen die Bundesfeierreden dieses Jahr besonders gut zur Geltung. An Doris Leuthards Rede (sie sprach in Villmergen) interessierte laut Medienberichten vor allem, ob es ihre letzte als Bundesrätin gewesen sei. Ach richtig, vor einem Jahr hat sie ja im Fernsehen verraten, dass sie sich in ihrer letzten Amtsperiode befinde. Sie hat damit einen riesigen Medien-Hype ausgelöst. Als ob man diese Magistratin möglichst schnell loswerden wollte... So wie wir Leuthard kennen, hat sie sich über diese wilden Spekulationen eher amüsiert und hat auch das Ein-Jahres-Jubiläum ihrer Ankündigung still genossen.

In Mägenwil sprach SVP-Nationalrat Roger Köppel. Er gab sich laut Medienberichten launig und charmant und platzierte dieselben Sprüche wie in Volken ZH. Okay, niemand verlangt von einem Mehrfachredner Mehrfach-Reden. Trotz sengender Hitze sprach er nicht über den Klimawandel, der findet für ihn ja gar nicht statt. Ins Zentrum seiner Rede stellte er den Bundesbrief von 1291: In diesen 17 Zeilen stehe alles, was die Schweiz ausmache. Die Lektüre jüngerer historischer Literatur aus dem Aargau gehörte offenbar nicht zu Köppels Vorbereitungen. Sonst wäre er auf ein Werk des Badener Historikers Bruno Meier gestossen, das sich mit dem Jahr 1291 befasst und in Sachen dieses Bundesbriefes zum Schluss gelangt: «Ob 1291 abgefasst oder später geschrieben und vordatiert, die Urkunde hat keine Wirkung gehabt, sie wurde nicht gebraucht und vergessen und besass daher keinen Wert.» Bedeutung erhielt der ominöse Brief erst im 19. Jahrhundert. Meier verfolgt keinen mythenzerstörenden, erst recht keinen linken Ansatz. Er schreibt einfach auf, was aus der mitteleuropäischen Geschichte um 1291 gesichert ist.

Übrigens: Aargauer zu sein, Historiker zu sein und Meier zu heissen, ist offenbar eine patente Kombination. Ein anderer Vertreter dieser Gattung, Titus J. Meier aus Brugg, hat in einem anderen Buch ebenfalls eine Legende ins richtige Licht gerückt, allerdings eine um 700 Jahre jüngere: die Geheimarmee P-26 aus dem Kalten Krieg. Dazu nächste Woche mehr.