KOMMENTAR
Ueli Maurer geht – oder doch nicht? Über Mimosen in Medien und Politik

Die Stimmung zwischen Medien und Politik ist gereizt. Das hat mit Corona zu tun. Und dem Mediengesetz. Aber nicht nur.

Stefan Schmid
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Geht er oder bleibt er noch ein bisschen im Bundesrat? Selbst die Medien wissen es nicht.

Geht er oder bleibt er noch ein bisschen im Bundesrat? Selbst die Medien wissen es nicht.

Anthony Anex / KEYSTONE

Eine ruppige Medienschelte gehört landauf, landab mittlerweile zum guten Ton. Vor allem in der Politik.

So verging an der soeben beendeten Herbstsession kaum ein Tag, an welchem sich nicht irgendein gewichtiges Mitglied des Parlaments bemüssigt fühlte, den Medienschaffenden die Leviten zu lesen. Von Mitte-Präsident Gerhard Pfister über SP-Saftwurzel Jacqueline Badran bis zu SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi und SP-Fraktionschef Roger Nordmann: Sie hauen drein, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Manchmal ist die Kritik durchaus berechtigt. Die Medien sind nicht fehlerfrei, sonst wäre Ueli Maurer am Freitag zurückgetreten. Doch zuweilen nimmt die Schelte obsessive Züge an.

Das liegt primär daran, dass das Verhältnis zwischen Politik und vierter Gewalt per Definition immer schon ein spannungsvolles war.

Wer sich ständig auf die Finger schauen lassen muss, teilt im Gegenzug gerne auch mal kräftig aus. Hinzu kommt, dass sich im Zuge der Coronakrise Parallelwelten in den sozialen Medien gebildet haben, wo das Bashing jener Medien, die man gar nie gelesen hat, zum Standardverhalten gehört. Und schliesslich steht im Februar die Abstimmung über das Mediengesetz an. Dessen Gegnerschaft lässt sich derzeit nicht zweimal bitten, Fehler der Journalistinnen und Journalisten politisch auszuschlachten.

Nehmen wir’s sportlich: Ueli Maurer ist immer noch im Amt, Gerhard Pfister twittert mitunter ungestüm und Jacqueline Badrans Bannstrahl ist ohnehin gefürchtet. Unbequeme Medien und kritikfähige Politikerinnen und Politiker sind und bleiben eine Stärke demokratischer Gesellschaften. Selbst wenn sie ab und an Fehler machen.

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