Kommentar
Peking 2022: Omikron entscheidet für den Bundesrat - doch das Grunddilemma bleibt ungelöst

Kein Bundesratsmitglied reist an die Winterspiele in Peking. Die entscheidende Frage aber bleibt: Weshalb ermöglicht das IOC rigoros autokratischen Regierungen eigene Propaganda-Shows?

Othmar von Matt
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Gheyyur Kurban vom Weltkongress der Uiguren demonstriert vor dem Brandenburger Tor in Berlin für einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking.

Gheyyur Kurban vom Weltkongress der Uiguren demonstriert vor dem Brandenburger Tor in Berlin für einen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking.

KEYSTONE/DPA/Jörg Carstensen

Um die Frage hatte sich ein bemerkenswerter politischer Eiertanz entwickelt: Wer vertritt die Schweiz an der Eröffnungsfeier der olympischen Winterspiele in Peking?

Ignazio Cassis, der Bundespräsident, wollte genauso wenig teilnehmen wie Viola Amherd, die Sportministerin. Cassis fand, die Präsenz des Bundespräsidenten sei zu viel der Ehre. Und Amherd hatte starke Bedenken wegen der Pandemie.

Wie alle westlichen Staaten stand die Schweiz vor der Frage, ob sie die olympischen Spiele nutzen soll, um auf die sehr schwierige Menschenrechtslage in China aufmerksam zu machen. Die USA, Grossbritannien, Australien und Kanada boykottieren die Winterspiele auf diplomatischer Ebene - wegen des Genozid an den Uiguren und der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong.

Nur Polen und Russland entsenden ihre Präsidenten

Die VIP-Liste von Peking ist stark ausgedünnt, nur Polen und Russland schicken die Präsidenten. Auch wegen Omikron. Die Virusvariante hat Minister-Treffen und den Kontakt zu Sportlern unmöglich gemacht.

Eine Entwicklung, die dem Bundesrat zupass kam: Auch wenn er nie ernsthaft einen Boykott ins Auge fasste, war ihm das Thema so unangenehm, dass er über Monate auf Zeit spielte.

Nun hat ihm die Pandemie die Entscheidung abgenommen. Dank Omikron gibt es keinen diplomatischen Flurschaden. Das Grunddilemma aber bleibt, solange das IOC die Olympischen Spiele auch an rigoros autoritäre Staaten vergibt.