Kommentar
Ärzte und die Mehrheit der Versicherer wären sich über den Tardoc einig – doch die Quadratur des Kreises reicht nicht aus

Curafutura und der Berufsverband der Ärzteschaft FMH haben sich über den neuen Tarifvertrag Tardoc geeinigt. Doch das reicht nicht aus, weil die Gesundheitsbranche so zerstritten ist.

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Zu viel und zu detailliert. Der Tarmed ist veraltet und müsste längst überarbeitet werden.

Zu viel und zu detailliert. Der Tarmed ist veraltet und müsste längst überarbeitet werden.


Karikatur: Silvan Wegmann

Kein Wunder sitzt der Frust beim Krankenkassenverband Curafutura und beim Verband der Ärzteschaft FMH tief. Da schafft man die Quadratur des Kreises – und scheitert dennoch. Die beiden Tarifpartner hatten sich nach jahrelangen Verhandlungen auf einen neuen Tarif- vertrag namens Tardoc geeinigt. Angesichts der divergierenden Interessen von Ärzten und Versicherern eine extrem anspruchsvolle Aufgabe. Doch diese Woche hat Gesundheitsminister Alain Berset ihren Vorschlag zurückgewiesen. Es ist ein Scherbenhaufen.

Der Tardoc sollte den Tarmed ablösen. Über diesen werden heute sämtliche ambulante Leistungen abgerechnet. Doch der Tarmed ist hoffnungslos veraltet. Etliche Leistungen in Arztpraxen und Spitalambulatorien werden heute mit zu viel oder auch mit zu wenig Geld abgegolten. Der Tarmed müsste längst an den medizinischen Fortschritt angepasst werden. Darüber ist sich die Gesundheitsbranche eigentlich einig. Doch da hört die Einigkeit bereits wieder auf. Die Branche ist heillos zerstritten. Der Spitalverband H+ hat den Verhandlungstisch längst verlassen. Der zweite Krankenkassenverband Santésuisse, er vertritt etwas weniger als die Hälfte der Versicherten, torpediert das Projekt seiner Erzfeindin Curafutura und verfolgt mit Pauschalen statt Einzeltarifen eigene Wege.

Aufgrund dieser Ausgangslage blieb Bundesrat Berset nicht viel anderes übrig, als den ausgehandelten Vertrag zurückzustellen. Dass sich die Akteure nun zusammenraufen scheint eine Illusion – mit weitreichenden Folgen fürs Gesundheitssystem. Der Machtpoker der Verbände blockiert längst überfällige Reformen. Und wer dafür in Zukunft die Zeche bezahlen wird, liegt auf der Hand: wir, die Prämienzahlenden.