Manch ein Dietiker dürfte den massiven Steinbrocken oberhalb des Alters- und Pflegeheims Ruggacker nie beachtet haben – den Zwinglistein.

Jetzt wurde der Stein restauriert und an den Eingang der Parkanlage gesetzt. Den Stein aus dem Dämmerschlaf des Vergessens geholt hat Bodo Hassenpflug, Mitglied der Kommission für Heimatkunde des Dietiker Ortsmuseums. In monatelanger Recherche hat er die Geschichte des Gedenksteines mithilfe von Büchern, Neujahrsblättern und Gesprächen rekonstruiert und sich hartnäckig für die Restaurierung des Steines eingesetzt.

Die Zwingliallee

Beim Bau der reformierten Kirche Dietikon in den Jahren 1924 bis 1926 wurden zum 400. Jahrestag der Zürcher Reformation durch Huldrych Zwingli im Jahre 1523 zwei Obelisken aus Granit angefertigt und am Ende der damaligen Zwingliallee links und rechts vor dem Haupteingang der Kirche aufgestellt.

Als die Gemeinde Dietikon in den Sechzigerjahren für den Bau des Alters- und Pflegeheims Ruggacker mehr Land benötigte, bot sie der Kirchgemeinde als Tauschobjekt für die Zwingliwiese ein Grundstück im Stelzenacker an. Die Kirchenpflege stimmte dem Tauschvertrag zu – jedoch unter der Bedingung, dass die Zwingliwiese nicht überbaut wird.

Im November 1965 segneten die Dietikerinnen und Dietiker den Kredit für die Umgestaltung der Zwingliwiese an der Urne ab. Die Zufahrten von der Bremgartnerstrasse zu der Zwingliallee und der Sonneggstrasse wurden aufgehoben und aus der Zwingliallee wurde der Zwingliweg.

Im Jahr 1966 wurde mit den Umgestaltungsarbeiten der Zwingliwiese in einen hügeligen Park begonnen. Im gleichen Jahr wurden auch die beiden Obelisken umgenutzt: Aus dem einen Stein wurde der heutige Brunnen vor der reformierten Kirche hergestellt.

Obelisk zum Gedenken an den Reformator

Aus dem zweiten Obelisk wurde der Zwingli-Gedenkstein geschlagen und mit folgender Inschrift versehen: «Huldrych Zwingli 1484 – 1531, Reformator in Zurich, Lasset das Wort Gottes häll by üch predgen.» Als Erinnerung an die Zwingliallee wurde der Stein auf dem Trottoir in der Mitte der beiden Gehwege an der Bremgartnerstrasse aufgestellt.

Recherche und Restaurierung

In all den Jahren geriet der Stein in Vergessenheit – bis zu dem Moment, als ein Dietiker die Kommission für Heimatkunde des Ortsmuseums Dietikon auf den Stein aufmerksam machte. «Sogar innerhalb der Kommission staunten einige darüber, dass ein solcher Zwingli-Stein existiert», so Hassenpflug.

Ende 2012 erhielt er von der Kommission den Auftrag, dem Ursprung des Steines nachzugehen. «Ich habe schriftlich, telefonisch und in persönlichen Gesprächen mit diversen Personen der Reformierten Kirchgemeinde, dem Ruggacker und den Behörden Kontakt aufgenommen und um Mithilfe für die Restaurierung gebeten; aber niemand hat sich verantwortlich gefühlt», sagt Hassenpflug.

Stein wird wieder beachtet

Schlussendlich habe sich Stadtpräsident Otto Müller der Sache angenommen und durch den Werkhofleiter Lorenz Fränzl eine Offerte für die Restaurierung einholen lassen.

Anfang April nun wurde der Stein vom Schlieremer Bildhauer Rudolf Rempfler beim Eingang der Parkanlage restauriert, wo er seit der Renovation des Ruggackers stand. «Jetzt, da die Schrift schon von weitem gut lesbar ist, wird der Zwingli-Stein plötzlich beachtet und bestaunt», freut sich Hassenpflug. Eine leichte Verwunderung kann er aber nicht verbergen: «Ich wundere mich schon ein wenig, dass so viele Kirchgänger und andere Bürger, die tagtäglich am Stein vorbeispaziert sind, bis heute noch nichts vom Zwingli-Stein gehört und gewusst haben.»