Ob volltätowierte Körper im Bikini, Meerjungfrauen oder der meist gepiercte Mensch der Welt: Die «Ink Days»-Convention in Regensdorf hatte den knapp 5000 Besuchern viel zu bieten. Das ganze Wochenende lang stachen über 100 internationale Künstler um die 500 Tattoos. Darunter auch der Schlieremer Alessandro Schirone, Inhaber des «Nero Ink»-Studios und der Spanier Rober Villanueva (die Limmattaler Zeitung berichtete). Das Studio war mit einem eigenen Stand und drei Tätowierern vor Ort. Schirone und Villanueva hatten bereits im Voraus Termine für grosse Tattoos eingeplant. Der dritte Gast-Tätowierer, Solo Silvano, tätowierte spontanen Gästen kleine Motive. In den drei Tagen habe er bis zu 15 kleine, aber aufwendige Tattoos gestochen. Pro Tattoo plante Silvano ein bis zwei Stunden ein. Schirone und Villanueva hingegen sassen über fünf Stunden an ihren Werken.

Diese Mühe wurde beim Wettbewerb belohnt: Schirone belegte den zweiten Platz in der Kategorie Ornamental (siehe Foto). «Unter dem Begriff Ornamental versteht man eine ganz präzise Arbeit mit feinen Linien und Punkten», erklärt er. Ganz anders arbeitet sein Kollege Villanueva, er ist auf farbige Realistik-Tattoos spezialisiert. Am Wochenende tätowierte der Spanier ein Drachenauge und eine Dragon-Ball-Figur – ganz fertig sei er aber nicht geworden. «Die zwei Männer haben die Schmerzen nicht ausgehalten. Ich musste nach sechs Stunden abbrechen», sagt Villanueva.

Horror-Make-Up und nackte Haut

Die Tattoo-Convention sei super gelaufen, sind sich beide Tätowierer einig. «Es ist zwar ziemlich stressig, weil du dauernd nur am Tätowieren bist und fast keine Zeit hast, dich umzusehen – aber es lohnt sich», sagt Villanueva. Vor allem, weil so eine Convention zahlreiche Folgeaufträge mit sich bringe, «auch Grossprojekte, also ganze Arme oder Beine», sagt Schirone. «Aber es ist schon schwierig. Man arbeitet unter Druck, weil man ständig beobachtet wird – es ist Gewohnheitssache», so der 40-Jährige weiter.

Auch das Rahmenprogramm sei dieses Jahr sehr gelungen: «Es geht immer tiefer in die eigentliche Tattooszene», sagt Schirone. Freaks mit Horror-Make-Up, Body-Suspension (jemand der an seinen Piercings festgehangen wird) und viel nackte Haut – sein Resümee des vergangenen Wochenendes. «Es war wirklich für jeden etwas dabei», fasst Villanueva zusammen. Gerade weil sich so viele verschiedene Künstler an einem Ort tummeln würden. Doch von Konkurrenzkampf fehle jede Spur: «Das Ambiente unter uns war wirklich sehr gut. Wir haben uns sogar Tipps gegeben », sagt Schirone.

Die nächste Convention lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Schon Mitte Mai sind die Tätowierer vom «Nero Ink»-Studio wieder unterwegs. Dieses Mal dann im deutschen Offenburg.