Zweite Tiefbohrung geht in Betrieb

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle untersucht den Untergrund in Bözberg.

Michael Hunziker
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Bis voraussichtlich Ende dieses Jahres bohrt die Nagra noch am Standort «Bözberg 2».

Bis voraussichtlich Ende dieses Jahres bohrt die Nagra noch am Standort «Bözberg 2».

Bild: Claudia Meier (Bözberg, 11. August 2020)

Gleich an zwei Orten wird derzeit gebohrt in Bözberg: Diese Woche hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) den Bohrplatz «Bözberg 2» im Gebiet Riedacker in Betrieb genommen. Bereits seit Ende April dieses Jahres laufen die Arbeiten auf dem Bohrplatz «Bözberg 1» in der Nähe der Weiler Ursprung und Vierlinden. Mit den Tiefbohrungen untersucht die Nagra den Untergrund, will Erkenntnisse gewinnen zur Dicke und Dichtigkeit des Gesteins Opalinuston. In diesem soll dereinst das geologische Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle gebaut werden.

Es geht in eine Tiefe von rund 800 Metern

Ab Mitte Juli ist das Bohrgerät aufgebaut worden im Gebiet Riedacker. Im Vorfeld mussten besondere Vorkehrungen getroffen werden, hält die Nagra in einer Medienmitteilung fest. «Die Wasserversorgung wurde ausgebaut», wird Philipp Senn zitiert, stellvertretender Leiter Öffentlichkeitsarbeit. «Diese Investition, an der sich die Nagra beteiligt hat, kommt auch den umliegenden Häusern zugute.» Getroffen werden zudem Massnahmen, um Emissionen wie Lärm, Verkehr und Licht zu minimieren, heisst es weiter. «So wird beispielsweise der Lastwagenverkehr um Egenwil herum über eine Waldstrasse zum Bohrplatz geführt.» Bis voraussichtlich Ende des Jahres wird bis in eine Tiefe von rund 800 Metern gebohrt.

Für Fragen und Anliegen von Anwohnern und weiteren Interessierten hat die Nagra eine Hotline eingerichtet, die gratis rund um die Uhr in Betrieb ist: 0800437333. Bei jedem Bohrplatz befindet sich überdies ein Besucherpavillon und es finden öffentliche Besuchstage statt.

Insgesamt 23 Gesuche für Tiefbohrungen hat die Nagra eingereicht auf der Suche nach einem sicheren Standort für ein Tiefenlager für die radioaktiven Abfälle – in der Region Jura Ost acht Gesuche in fünf Gemeinden in den Bezirken Brugg und Laufenburg: neben Bözberg in Effingen, Remigen, Riniken und Zeihen. Wie viele Bohrungen tatsächlich durchgeführt werden müssen, um das geologische Gesamtbild vervollständigen zu können, hängt laut Nagra von den Ergebnissen ab.

Die erste Tiefbohrung in der Region Jura Ost, diejenige am Standort «Bözberg 1», hat mittlerweile eine Tiefe von 690 Metern erreicht. Im Bohrloch werden zurzeit verschiedene Tests durchgeführt, sagt auf Nachfrage Felix Glauser, stellvertretender Leiter der Nagra-Medienstelle.

Bohrgerät kommt dann in Stadel zum Einsatz

Über den Bohrfortschritt sowie die bisher gewonnenen Gesteinsproben äussert sich Glauser zufrieden. Der Opalinuston sei bereits durchbohrt. «Wie von unseren Geologen prognostiziert, ist er über 100 Meter dick. Die Bohrkerne werden nun laufend von mehreren Laboren analysiert.» Gebohrt wird noch bis in eine Tiefe von rund 1000 Metern. Verlaufen die Arbeiten weiterhin nach Plan, ist die Bohrung gegen Ende Oktober dieses Jahres abgeschlossen. Das Bohrgerät wird in der Folge in die Region Nördlich Lägern gebracht, wo in der Gemeinde Stadel die Bohrung «Stadel 3» ansteht.