Weiningen
Zwei zankende Rogers füllten das Restaurant «Linde»

Man kennt das Gezanke der beiden Rogers aus dem Radio, nun kreuzten sie sich live im Restaurant Linde in Weiningen die Klingen: Roger Schawinski und Roger Köppel. Der Saal war «pumpevoll».

Michael Rüegg
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Schawinski gegen Köppel – beste Unterhaltung war garantiert. mru

Schawinski gegen Köppel – beste Unterhaltung war garantiert. mru

Die beiden aufblasbaren Werbesäulen von Radio 1 und dem Wochenblatt «Weltwoche» vor dem Eingang zum Restaurant Linde in Weiningen liessen gestern Abend keinen Zweifel am aufkommenden Spektakel: Hier duellieren sich Roger Schawinski und Namensvetter Köppel. Verbal, wohlgemerkt.

Schon vor der Türöffnung um
17 Uhr drängten sich die Zuschauer vor dem Eingang, während drinnen etliche Stapel von Köppels Zeitung jeden Winkel des Gasthofs tünchten. «DJ Bobo: Mein Leben», versprach die Coverstory. Über Herrn Bobo debattierten die beiden Streithähne glücklicherweise dann doch nicht. Stattdessen standen das Verhältnis Schweiz-EU, der Gripen und der Krimi um die Grossbank Credit Suisse in Amerika auf dem Menü.

«Pumpevoll» war das Wort, das Schawinski angesichts des gut gefüllten Saals im Obergeschoss der Gaststätte wählte. Vor zwei übergrossen Porträts ihrer selbst installierten sich die gut gelaunten Protagonisten und warteten auf den Beginn der live übertragenen Sendung. Ihre Laune steigerte sich noch einmal, als der Saal zum Auftakt applaudierte, als hätte der ZSC gerade ein Tor geschossen.

Köppel mit mässigem Beginn

Mit einer Erklärung zur EU und den Bilateralen hatte Köppel einen etwas lauen Start. Doch immerhin schaffte er es innerhalb der ersten zwei Minuten, viermal den Namen «Weltwoche» zu nennen. Aha, dachte sich der Zuschauer, diese Sendung enthält offenbar Produktplatzierungen. Bald merkte Köppel angenehm überrascht, dass gute Argumente zwar nicht fehl am Platz waren, er mit Pointen gegen seinen Kontrahenten Schawinski beim Publikum aber mehr Punkte holen konnte.

Fortan entwickelte sich das Gespräch seitens von Köppel zum rhetorischen Eiertreten gegen Schawinski unter teilweise lautstarkem Applaus der Menge. Die offensichtlich einseitig verteilten Sympathien bewegten Zweiteren bald zur Frage, ob denn im Saal auch zwei oder drei Leute seien, die nicht der SVP angehörten. Dass Köppel mit seinen zwar stichelnden, aber nicht verletzenden Hieben gegen Schawinski derart in Fahrt kam, schwächte die inhaltliche Qualität des Gesprächs deutlich. So durfte man ihn gegen Ende sogar sagen hören, er habe offenbar recht mit seiner befürwortenden Meinung zum Gripen-Kauf, weil Schawinski dagegen sei.

Wirklich hübsch entwickelte sich ein Angriff Schawinskis unter Zuhilfenahme eines vor fünf Jahren von Köppel verfassten Artikels. Darin schlug dieser vor, die Schweizer Armee sollte Flugzeuge und Panzer weggeben und stattdessen eine riesige Massenarmee à la Taliban aufstellen. Schawinski legte dar, dass der Bundesrat damals selber in einem Bericht mit diesem Gedanken spielte. Als Bundesrat Ueli Maurer sich davon ab und zur Beschaffung von Kampfflugzeugen hin wandte, änderte auch Köppel subito seine Meinung.

Diesen Zickzackkurs nahmen die Anwesenden ihrem Idol allerdings nicht übel. Auch Köppers Unart, bei Kernaussagen zu kichern, störte sie offenbar nicht. Als er auch noch gegen Gripen-Gegnerin Chantal Galladé (SP) wetterte, flogen ihm die Herzen nur so zu. Aus der Sicht des Livepublikums ging die Runde eindeutig an Köppel. Schawinski darf nun auf die Sendung in einem Monat hoffen. Dann sendet «Roger gegen Roger» aus Winterthur.