Urdorf
Zwei Urdorfer begeben sich auf eine wagemutige Fahrt nach Südostasien

Romy Müller und Miro Slezak haben Grosses vor. In drei sechsmonatigen Etappen wollen sie mit ihrem orangenen VW-Bus von Urdorf bis nach Australien reisen. Zwischen Mai und Oktober letzten Jahres führten sie bereits eine Bustour durch.

Philippe Stalder
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Bilder zur Reise «Auf der Seidenstrasse zum Dach der Welt»
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Chinesische Soldaten in den Strassen Lhasas
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Bilder zur Reise «Auf der Seidenstrasse zum Dach der Welt»

Philippe Stalder

Zwischen Mai und Oktober letzten Jahres führte sie ihre erste Etappe bereits von Europa über die Seidenstrasse bis nach Kathmandu in Nepal, wo sie ihren Bus an einem sicheren Ort überwintern liessen.
Heute nehmen die Urdorfer ihre zweite Etappe in Angriff, die sich von Kathmandu über Indien bis nach Südostasien erstrecken wird. «Der Start und das Ziel der zweiten Etappe sind bereits bekannt, aber dazwischen planten wir drei unterschiedliche Routen. Wir favorisieren zwar die Route über Bangladesch und Myanmar, aber da die Einreiseerlaubnis von Myanmar noch aussteht, bleibt es ungewiss, ob wir tatsächlich über den Landweg durch das Land reisen dürfen», erklärt Romy Müller in erwartungsvollem Unterton.
«Wir wären die ersten Touristen, die eine solche Erlaubnis erhalten würden», ergänzt Miro Slezak. Lange Zeit war es unvorstellbar, dass sich Reisende in Myanmar mit dem eigenen Fahrzeug frei bewegen dürften, seitdem sich das Land im Januar allerdings politisch etwas geöffnet hat, schöpfen die 62-Jährige und der 67-Jährige wieder Hoffnung.
Spontaneität ist gefragt
Die beiden Reisenden sind es sich gewohnt, mit solchen Unsicherheiten umzugehen: «Am besten ist, man bekämpft die Ungewissheit mit Spontaneität und Alternativen.» Mit dieser Strategie hatten die Urdorfer bereits auf ihrer ersten Etappe Erfolg. Als die beiden letztes Jahr lange Zeit die Einreisebewilligung für den Iran nicht erhielten, entschieden sie sich spontan dazu, nach Georgien und Aserbaidschan zu reisen, um über das Kaspische Meer nach Turkmenistan zu gelangen.
«Kurz bevor wir dann die Küste erreicht haben, erhielten wir dann trotzdem noch unverhofft die iranische Einreiseerlaubnis, und so änderten wir abermals die geplante Route», erinnert sich Miro Slezak und lacht. Da das Paar aus dieser Erfahrung gelernt hat, planten sie für die zweite Etappe neben der favorisierten Route durch Myanmar auch noch eine Landroute über China und Laos sowie eine Seeroute über den Andamanensee.
Viel Lesen als Vorbereitung
«Für die Planung braucht man etwa gleich viel Zeit wie für die Reise selbst,» antwortete Romy auf die Frage, was sie seit ihrer Rückkehr von der ersten Etappe in die Schweiz alles unternommen haben. Um sicherzustellen, dass alle nötigen Dokumente termingerecht bereit sind, muss man einen regelrechten Mehrfrontenpapierkrieg führen, der ohne eine ausgesprochen starke Vorfreude auf die bevorstehende Reise wohl kaum zu bewältigen wäre.
Doch die Planung hat auch ihre schönen Seiten. Ein Grossteil der Vorbereitung besteht aus Lesen. «Wir lesen neben Reiseführern auch Reiseberichte aus Internetforen und tauschen uns mit anderen Reisenden aus, die wir im letzten Jahr kennen gelernt haben. Man kann viele gefährliche Situationen vermeiden, indem man sich gut über die Kultur eines Landes informiert und ihr mit Respekt begegnet», erklärt Romy.
Es erstaunt nicht, dass sich Romy Müller und Miro Slezak auf einer Reise kennengelernt hatten. Da er zu jenem Zeitpunkt allerdings noch beim Starkstrominspektorat tätig war und Romys Tochter noch zur Schule ging, mussten sie den Traum von der langen Reise auf die Zeit nach der Pensionierung verschieben.

«Währenddem sich das Budget von jugendlichen Reisenden von Monat zu Monat verkleinert, wird unser Budget durch die Rente jeden Monat wieder aufgestockt», so Miro schelmisch über die Vorteile des Reisens im Pensionsalter.