Watt d'Or 2018
Zürcher Elektrizitätswerke erhalten Preis für "verkehrsbeobachtendes Licht" in Urdorf

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) haben den Watt d'Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien gewonnen. Sie erhalten den Preis für das "verkehrsbeobachtende Licht" in Urdorf.

Sandro Zimmerli
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Das an der Birmensdorferstrasse in Urdorf seit November 2015 eingesetzte Beleuchtungssystem ist nicht nur intelligent, sondern seit gestern auch preisgekrönt. Das Bundesamt für Energie hat die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) mit dem Watt d’Or 2018 in der Kategorie Energietechnologien ausgezeichnet. Der Preis wurde bereits zum 11. Mal vergeben und wird jeweils an innovative schweizerische Unternehmen im Energiebereich sowie Hochschulen verliehen.

Neuartig am Beleuchtungssystem, das auch verkehrsbeobachtendes Licht genannt wird, ist die Steuerung, welche die EKZ gemeinsam mit dem Beleuchtungsunternehmen Schréder entwickelt haben. Sie macht es möglich, dass sich das Licht dem Verkehrsaufkommen auf der Strasse anpasst und so Energie gespart sowie die Lichtverschmutzung reduziert werden kann. Insgesamt wurden in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Tiefbauamt 27 LED-Leuchten auf einer Strecke von rund einem Kilometer entlang der Birmensdorferstrasse mit einer solchen Steuerung versehen und getestet.

Sensor misst Verkehrsfluss

Auf die Kantonsstrasse in Urdorf fiel die Wahl, als dort die neuen LED-Leuchten abgenommen wurden. «Mir war damals aufgefallen, dass die Lichtstärke weiterhin 100 Prozent betrug, obschon das Verkehrsaufkommen nach der Rush Hour stark abgenommen hatte», sagt Jörg Haller, Leiter öffentliche Beleuchtung bei den EKZ. Er habe sich dann gesagt, es müsse doch möglich sein, die Lichtstärke der Verkehrsmenge anzupassen, und dies, ohne dass die Anpassung als störend wahrgenommen werde. «In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Lichtsteuerungen getestet», so Haller. «Teilweise wurde die schnelle Änderung der Lichtverhältnisse jedoch von Autofahrern und Anwohnern als unangenehm empfunden.»

«Die Auswertung der Pilotphase hat gezeigt, dass durch die Lichtsteuerung fast ein Drittel Energie gespart werden kann.» Jörg Haller, Leiter öffentliche Beleuchtung EKZ

«Die Auswertung der Pilotphase hat gezeigt, dass durch die Lichtsteuerung fast ein Drittel Energie gespart werden kann.» Jörg Haller, Leiter öffentliche Beleuchtung EKZ

zvg

Zusammen mit der Firma Schréder habe man deshalb nach einer Lösung gesucht und diese auch gefunden. So misst beim neuen Beleuchtungssystem in Urdorf nun ein Sensor den Verkehrsfluss und übermittelt die Daten an eine virtuelle Zentrale. Von dort aus wird dann die Lichtstärke per Funk an die Verkehrsverhältnisse angepasst, wobei diese sich zwischen 100 und 40 Prozent bewegen kann. Je mehr Fahrzeuge sich also auf der Strasse befinden, desto mehr Licht geben die Leuchten ab. Einzig die Fussgängerstreifen werden aus Sicherheitsgründen immer maximal beleuchtet.

«Da sich die Lichtstärke fliessend an die Gegebenheiten anpasst, wird dies von den Autofahrern und den Anwohnern kaum wahrgenommen», sagt Haller. Negative Rückmeldungen habe er jedenfalls keine bekommen. Auch bei der Werkabteilung der Gemeinde Urdorf sind bislang keine Rückmeldungen eingegangen, wie es dort auf Anfrage heisst.

 Der Unterschied zwischen 100 Prozent (links) und 40 Prozent Lichtstärke (rechts) ist gut ersichtlich.

Der Unterschied zwischen 100 Prozent (links) und 40 Prozent Lichtstärke (rechts) ist gut ersichtlich.

EKZ

Neues Niveau erreicht

Das hat auch die Jury des Watt d’ Or unter der Leitung der Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer überzeugt. «Die von den EKZ und Schréder entwickelte neuartige Lichtsteuerung bringt den Begriff ‹intelligentes Licht› auf ein neues Niveau», heisst es in einer Mitteilung.

Für Haller ist die Auszeichnung «die Bestätigung für den eingeschlagenen Weg». Es sei nicht selbstverständlich, dass alles so funktioniere wie man sich das vorstelle, wenn man Neuland betrete. Hier habe es aber funktioniert. «Die Auswertung der Pilotphase hat gezeigt, dass durch die Lichtsteuerung fast ein Drittel Energie gespart werden kann, und dies ohne Einbussen bei der Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer», sagt Haller. Durch die Umrüstung auf LED seien weitere 30 Prozent dazu gekommen. «Zudem werden durch das verkehrsbeobachtende Licht unnötige Lichtemissionen verhindert», so Haller.

Kanton beobachtet weiter

Wann und wo weitere solcher Lichtsteuerungen zum Einsatz kommen, ist noch offen. «Das können wir nicht alleine entscheiden, das müssen die jeweiligen Strasseneigentümer, also der Kanton oder die Gemeinden, tun», sagt Haller. Vorerst gehe es aber ohnehin darum, den in Urdorf eingesetzten Prototypen weiterzuentwickeln, um ihn marktfähig zu machen. «Das ist auch unser Ziel, welches wir mit solchen Tests verfolgen. Wir wollen die Industrie dazu animieren, marktfähige Lösungen zu entwickeln», sagt Haller.

Beim kantonalen Tiefbauamt ist man mit den ersten Erkenntnissen jedenfalls zufrieden, will das Beleuchtungssystem aber noch weiter beobachten, wie Mediensprecher Thomas Maag auf Anfrage sagt. «Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines neuen Systems werden nicht nur die Energieeinsparung und die Anschaffungskosten berücksichtigt, sondern auch der Service- und Wartungsunterhalt. Diese Faktoren lassen sich erst nach drei bis vier Jahren bestimmen. Deshalb ist das Beleuchtungssystem an der Birmensdorferstrasse auch nach Abschluss der Pilotphase immer noch in Betrieb», so Maag.

Erst dann könne man entscheiden, ob eine solche Beleuchtung auch andernorts eingesetzt werden soll. Zudem ist noch genau zu prüfen, für welche Strassenabschnitte das beobachtende Licht künftig überhaupt infrage kommen könnte. «Nicht jede Strasse ist für diese Art von Beleuchtung geeignet. Gerade bei Strassen, die auch in der Nacht konstant befahren werden, ist der Spareffekt eher gering», sagt Maag.

Watt D’Or

Zum 11. Mal verliehen

Der Energiepreis Watt d’Or wurde 2006 vom Bundesamt für Energie geschaffen. Ziel ist es, aussergewöhnliche Leistungen im Energiebereich bekannt zu machen und so Wirtschaft, Politik und die breite Öffentlichkeit zu motivieren, die Vorteile innovativer Energietechnologien für sich zu entdecken. Der Watt d’Or ist nicht dotiert, es werden also keine Preisgelder ausgeschüttet.

Für den diesjährigen Preis wurden bis Ende Juli 2017 insgesamt 71 Bewerbungen eingereicht und von einem Expertenteam evaluiert. Für die Endrunde nominiert wurden schliesslich 30 Beiträge, aus denen die Jury unter dem Vorsitz von Jurypräsidentin Pascale Bruderer vier Siegerprojekte in vier Kategorien kürte. Darüber hinaus vergab die Jury einen Watt d’Or Sonderpreis für «Energieeffizienz».