Nicht nur das Phänomen ist lästig, sondern auch die Regelmässigkeit, mit dem es auf die Tagesordnung kommt – kommen muss: Littering. Die Unsitte, Abfälle im öffentlichen Raum achtlos wegzuwerfen oder liegenzulassen, ohne die dafür vorgesehenen Abfallkübel zu benutzen, kann anscheinend einfach nicht ausgemerzt werden. Nun gibt es von der grünen Gemeinderätin Catalina Wolf einen neuerlichen Vorstoss. Darin fordert sie einen Güselranger. Damit will sie anknüpfen an die Zeit, als es schon einmal einen solchen Littering-Vollstrecker gab.

In ihrem Postulat, dem sich zwölf Gemeinderäte der Grünen, der SP/AL und der CVP anschlossen, heisst es: «Littering ist trotz ernsthafter Bemühungen und Teilerfolge seitens der Stadt weiterhin betrübliches Alltagsthema in Dietikon, speziell im Zentrum, wo die öffentlich zugänglichen und genutzten Räume oft nicht erkennbar zwischen privatem und städtischem Eigentum wechseln.» Wolf nennt als Negativbeispiele auch das SBB-Gelände und die Umgebung des Marktplatzes.

Güselranger gefordert

Und sie fordert, wieder einen Güselranger einzusetzen. Diesem sollten auch weitreichende Kompetenzen gegeben werden. So solle er Kampagnen und Lösungsansätze erarbeiten und Bussen ausstellen können. «Dies gerade auch hinsichtlich Arealen im Eigentum von Privaten oder öffentlichen Institutionen (Laubengänge Zentrum, SBB-Gleiskörper, EKZ-Wiesen entlang der Limmat, Wohnsiedlungen)», so Wolf.

Das Postulat war während der parlamentarischen Fragestunde im November bereits angekündigt worden. Damals war es der Grüne Lucas Neff, der einen Güselranger auf der Wunschliste hatte. Er sprach gar von einer Art «Task Force», die auf privatem und öffentlichem Grund an den «Hotspots» rasch den Unrat beseitigen solle.

Stadt sieht Handlungsbedarf

Bei Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) rannte er damit offene Türen ein. Der Stadtrat könne sich sehr wohl einen Güselranger vorstellen, meinte er. Die Unratvermeidung und -entfernung sei eine Aufgabe, der sich die Infrastrukturabteilung derzeit wieder verstärkt angenommen habe, denn «Sicherheit und Sauberkeit hängen eng zusammen», so Brunner im November. Spätestens im Frühjahr würden konkrete Vorschläge vorliegen. Er schränkte allerdings bereits ein, dass die Stadt keine rechtliche Handhabe auf privatem Grund habe.

Die Stadt hat sich dem Thema bereits von verschiedenen Seiten genähert. In den Jahren zwischen 2007 und 2010 wurde die Kampagne «Sauberes Dietikon» durchgeführt, bei der anhand von verschiedenen Standorten und Kriterien gemessen wurde, ob und wie sich die Sauberkeit in Dietikon verbesserte. Neben dem Projekt Güselranger wurde auch ein Kübelkonzept umgesetzt. Dabei wurde das Gesamtvolumen der in der Stadt verteilten Kübel um knapp 10'000 auf 22'500 Liter sowie deren Anzahl um 25 Prozent gesteigert.

Güselranger soll Sauberkeitsindex errechnen

In der Kompetenz des Güselrangers lag nicht nur das Büssen von Abfallsündern, sondern auch die Errechnung des sogenannten Sauberkeitsindex. Um diesen zu erstellen, wurden an 27 Orten im Stadtgebiet, darunter in der Bahnhofsgegend, an Plätze und Bushaltestellen sowie auf Strassen und in Unterführungen, der visuelle Gesamteindruck und der Verschmutzungsgrad gemessen. Auch um die Art der Verschmutzung ging es: Scherben, Dosen, Kaugummi, Zigarettenstummel, Graffitis.

Und im Jahr 2011 konnte sich der damalige SVP-Gemeinderat Roger Bachmann, heute Sozialvorstand und Kandidat für das Stadtpräsidium, gar eine Videoüberwachung zur Lösung des Litteringproblems vorstellen.