Koch-Areal
"Zynischer Aprilscherz", "Vertreibung aus dem Quartier": Stadt gerät in Kritikhagel

Das Angebot der Stadt, zwei Anwohner umzusiedeln, heizt die Debatte um das Koch-Areal zusätzlich an. SP und FDP kritisieren das Vorgehen der Liegenschaftsbesitzerin scharf.

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Das Koch-Areal in Zürich-Altstetten ist seit März 2013 besetzt. (Archiv)

Das Koch-Areal in Zürich-Altstetten ist seit März 2013 besetzt. (Archiv)

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Es will einfach keine Ruhe einkehren: Die Tatsache, dass die Stadt zwei Anwohnern eine Unterkunft weg vom Quartier angeboten hat, heizt die Debatte um das Koch-Areal noch zusätzlich an. Seit Jahren herrscht dieselbe leidige Geschichte: Die Besetzer feiern auf scheinbar rechtsfreiem Raum ihre rauschenden Partys bis in die frühen Morgenstunden. Obwohl die Stadtpolizei Lärmklagen von Nachbarn entgegennimmt, verzichtet sie dennoch darauf, dagegen vorzugehen.

"Es herrschen unerträgliche Zustände", beschwert sich eine Nachbarin, welche anonym bleiben will, gegenüber "TeleZüri". Sie leide unter Zitteranfällen, sobald in der Nacht wieder laute Musik ertöne.

Der FDP ist die Besetzung des Koch-Areals schon lange ein Dorn im Auge. Michael Schmid, FDP-Präsident der Gemeinderatsfraktion, bezeichnet es als "zynischen Aprilscherz", dass Nachbarn umgesiedelt werden sollen - "wie die Opfer einer Naturkatastrophe" -, nur weil die Stadt nicht bereit sei, die Nachtruhe durchzusetzen - und das auf einem Grundstück, welches ihr gehöre.

Angebot ausgeschlagen

Auch vonseiten der SP gibt es wenig Verständnis für die Problemlösungsstrategie der Stadt: Marco Denoth, Co-Präsident der SP Stadt Zürich, findet es bedenklich, dass die städtische Liegenschaftsverwaltung andere Wohnungen anbietet, die weg sind vom Quartier, nur weil sie die Probleme vor Ort nicht unter Kontrolle bringt. "Das kommt einer Vertreibung aus dem Quartier gleich", sagt er gegenüber "TeleZüri".

Zuständig für das Koch-Areal sind Polizeivorsteher Richard Wolff, welcher verantwortlich für die Durchsetzung der Nachtruhe ist, und Finanzvorsteher Daniel Leupi, dem die Aufgabe zusteht, den Neubau voranzutreiben. Vom Finanzdepartement Zürich rechtfertigt Sprecher Patrick Pons das Angebot der Stadt: "Wir haben der Nachbarin die neue Wohnung angeboten, um ihre persönliche Situation zu verbessern." Ihre Wohnung sei besonders exponiert gewesen.

Doch beide Anwohner haben das Angebot ausgeschlagen. Zurzeit verhandeln sie auf eigene Faust mit den Besetzern, um den Lärmpegel zu reduzieren.