Europaallee
Zwischenbilanz: Büros und Läden sind top, Wohnungen ein Flop

Die Europaallee wächst und wächst. In Angriff genommen worden sind gestern die Verbreiterung des SBB-Aufgangs zum Europaplatz, die neue Velostation sowie die Baufelder B und D mit Google als Hauptmieterin.

Thomas Schraner
Drucken
Teilen
Grundsteinlegung für den Europaplatz.

Grundsteinlegung für den Europaplatz.

KEYSTONE

Gemäss dem Baufahrplan der SBB soll die Europaallee 2020 fertig sein. Das Megavorhaben mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Franken steckt in der Halbzeit. Die Büros und Läden sind bereits vermietet. Mit der Nachfrage nach den teuren Miet- und Eigentumswohnungen hapert es aber noch.

Als Nächstes werden drei Projekte gleichzeitig in Angriff genommen, wie es an der gestrigen Medienorientierung hiess. Zum einen ist dies die Verbreiterung des SBB-Aufgangs zum Europaplatz bei der Sihlpost. Diese Verbreiterung auf das Doppelte ist laut Jürg Stöckli, Leiter SBB-Immobilien, nötig, weil der Platz in Zukunft von doppelt so vielen Personen (100 000 täglich) benutzt werden dürfte. Diese Arbeiten sollten gemäss Baufahrplan bis 2017 fertig sein. Begehbar ist der Aufgang auch während der Bauzeit. Der Europaplatz zwischen Baufeld A und B misst übrigens 6000 Quadratmeter, was laut Stöckli etwa einem Drittel des Sechseläutenplatzes entspricht.

Das zweite Projekt, das nun in die Realisationsphase kommt, ist die Velostation unter dem Europaplatz. Bauherr ist die Stadt Zürich, die dafür 13,5 Millionen Franken aufwirft. Die Station ist bewacht und bedient. Sie bietet 1750 Plätze. Gratis ist die Benutzung nicht. Den Minimalpreis für eine Jahreskarte bezifferte FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger in seiner Ansprache auf 100 bis 200 Franken. Für den Stadtrat sei die Station als Zubringer zum Bahnhof wichtig. Schliesslich hat er vom Volk den Auftrag erhalten, den Anteil des Veloverkehrs markant zu erhöhen. Kleinere solche Stationen sind auch am Stadelhofen und anderswo vorgesehen.

Google zieht ein

Zum dritten Vorhaben, das nun an den Start geht, gehört die Bebauung der Baufelder B und D. Das sind jene, die direkt an die SBB-Gleise grenzen. Sie liegen dort, wo früher der inzwischen abgebrochene Flügelbahnhof (Gleise 51 bis 54) stand. Beide Gebäude werden in den Obergeschossen vom Internetgiganten Google genutzt, der sich laut Stöckli für die Abteilung Forschung und Entwicklung 50 000 Quadratmeter Fläche reserviert hat. Je 100 Millionen beträgt das Investitionsvolumen für die beiden Gebäude.

Die Bauarbeiten an der Europaallee bezeichnete Stöckli als schwierigen «Eingriff am offenen Herzen». Schwierig ist die Situation vor allem auch für die Wohnungsmieter und -besitzer, die bereits eingezogen sind. Sie müssen mit den Bauimmissionen bis 2020 leben. Schlagzeilen machten kürzlich Baumängel und Nachtarbeiten, welche die Nerven der Bewohner arg strapazierten. Darauf ging Stöckli in seiner Ansprache aber nicht gross ein, räumte aber ein, dass es «Beeinträchtigungen» gegeben habe. «Die Mieter sind happy – die meisten jedenfalls», meinte er.

Platz noch nicht erobert

Kritischer äusserte sich SP-Stadtrat André Odermatt zur Europaallee, die immer wieder zur Zielscheibe eines Teils der Hausbesetzerszene geworden ist. Odermatt räumte ein, die Allee bestehe aus imposanten und repräsentativen Gebäuden. «Erlesener Wohnraum und attraktive Büros sind hier entstanden.» Er stellte die Frage, ob die Kritik – mangelnde Verzahnung mit dem «Kreis Cheib» und die Gentrifizierung – berechtigt seien. «Geht die Rechnung auf?», fragte er und gab die Antwort gleich selbst. «Sie kann noch nicht aufgegangen sein.» Die Bevölkerung müsse den neuen Stadtteil, welcher der sich verändernden Welt entspreche, noch für sich erobern. Das geschehe nicht vom einen Tag auf den andern, aber es gebe Anzeichen dafür. Zum Beispiel Studierende der Pädagogischen Hochschule, die das Areal bevölkern.

Heute würde der Gestaltungsplan, der vom Gemeinderat und vom Volk 2006 bewilligt wurde, wohl nicht mehr so wie damals durchgehen. «Wir würden verstärkt darauf achten, dass günstige Wohnungen gebaut würden.» Damals geschah das nicht, weil der Fokus der Politik anders lag: Beim Wohnanteil, der nun bei 40 Prozent liegt. Man wollte einen reinen Bürokomplex verhindern. Immerhin hätten die SBB unterdessen bei anderen Projekten Hand geboten für günstige Wohnungen. Etwa im Gebiet Letzibach und an der Zollstrasse.

Teurer Standort

Billige Wohnungen ausgerechnet in der Europaallee zu bauen, sei bei den SBB nie ein Thema gewesen, sagte Andreas Steiger, Leiter Development Europaallee, am Rande der Veranstaltung. «Auch wir sind überzeugt, dass es günstige Wohnungen braucht, aber nicht an diesem Standort mit See- und Alpensicht.» Anderswo wie am Bahnhof Altstetten oder an der Zollstrasse hätten die SBB ein offenes Ohr dafür.

Steiger bestätigte, dass die Wohnungen an der Europaallee im Gegensatz zu den Gewerbeflächen noch längst nicht vergeben sind. Wie viele der rund 400 Objekte (28 000 Quadratmeter) noch frei sind, konnte er nicht präzisieren. Die Dienstleistungsflächen und Büros im Umfang von 150 000 Quadratmetern sind schon seit Ende letzten Jahres vermietet. Je ein Drittel verteilt sich auf die Bereiche Bildung (Pädagogische Hochschule, Juventus, KV-Business-School), Finanzbranche (UBS, CS, Swisscanto) und IT (Google).

Aktuelle Nachrichten