Neuer Imagefilm
Zwischen Luxemburgerli und Goldbarren: Der Kanton zeigt sich von seiner schönsten Seite

Ich bin auch ein Film: Erstmals präsentiert sich der Kanton Zürich mit bewegten Bildern. Ein Sonderfall sei er, das Herz der Schweiz. Kein Wunder also, dass gleich drei Mähdrescher nebeneinander über die Felder fahren.

Matthias Scharrer
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"Das bin ich" – Zürich zeigt sich im Morgenlicht von seiner schönsten Seite (Szene aus dem Film)

"Das bin ich" – Zürich zeigt sich im Morgenlicht von seiner schönsten Seite (Szene aus dem Film)

zvg

Es ist eine Premiere: Der Kanton Zürich hat einen Imagefilm über sich erstellen lassen. Er dauert 2 Minuten und 38 Sekunden. «Alle sind das Zielpublikum», sagt die stellvertretende Regierungssprecherin und Film-Projektleiterin Cristina Casanova. Also alle mal hergehört und hingeschaut: Was zeigt uns dieser Film? Und was sagt er uns?

Wir überfliegen einen Wald mit Nebelschwaden. Eine männliche Stimme aus dem Off sagt: «Das bin ich.» Dann erscheint die Stadt Zürich im Morgenlicht, ebenfalls aus der Drohnenperspektive: «Das auch.» Schnitt. Eine grasende Kuh, diesmal frontal. Und wieder die Stimme aus dem Off: «Ich bin ein Sonderfall.» Vom «Motor der Schweiz» ist die Rede, während drei Mähdrescher nebeneinander über ein Getreidefeld im Neeracher Ried fahren. Drei Mähdrescher nebeneinander sieht man normalerweise nicht auf einem Zürcher Feld, doch dazu später mehr.

 Offenbar typisch Zürich: Gleich drei Mähdrescher fressen sich durch die Felder im Neeracher Ried. (Szene aus dem Film)
3 Bilder
 Ballettschülerinnen der Zürcher Hochschule der Künste. (Szene aus dem Film)
 Autobahnwirrwarr beim Üetlibergtunnel. (Szene aus dem Film)

Offenbar typisch Zürich: Gleich drei Mähdrescher fressen sich durch die Felder im Neeracher Ried. (Szene aus dem Film)

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Bleiben wir noch ein wenig im Film: Auf die Mähdrescher folgen der Flughafen Zürich («ich bin schliesslich Europäer»), Volkstanz der Trachtengruppe Bülach, Ballettschülerinnen der Zürcher Hochschule der Künste. Als die Drohne das Autobahnwirrwarr vor dem Üetlibergtunnel von oben zeigt, verkündet die Stimme aus dem Off, sie sei so etwas wie das Herz der Schweiz. Schnitt. Uniszene: «Oder der Kopf.»

Es sei hier nicht der ganze Film erzählt; zu sehen sind noch Szenen aus der Arbeitswelt, Presslufthammer, Roboter, ein Rockkonzert, eine Oper auf dem Sechseläutenplatz, die Gemeindeversammlung Eglisau und manches mehr.

«Schaffe, chrüpple, chrampfe»

Der sprachliche Höhepunkt sind die einzigen Worte, die sowohl in der hochdeutschen als auch in der schweizerdeutschen und englischen Version des Films auf Züritüütsch zu hören sind: «Schaffe, chrüpple, chrampfe, bügle, werchä, tüftle.» Dazu der Kommentar auf Englisch: «There are all sorts of words for work in swissgerman» («es gibt alle möglichen Wörter für Arbeit auf Schweizerdeutsch»).

Zur Halbzeit wird uns noch das scheinbar einzige Laster des Zürchers gezeigt: Er gönnt sich mal ein Luxemburgerli. Gleich danach sind – wie zur Versöhnung – Goldbarren zu sehen: die glänzenden Seiten des Zürchers. Dann kommen noch vor: die Müllabfuhr. Die Ambulanz. Die Feuerwehr. Das Zürcher Rathaus. «Weltklasse Zürich» im Letzgrundstadion. Drei Bikini-Schönheiten, die von einer Brücke in die Limmat springen. Und schliesslich: Schwimmende bei der Seeüberquerung. Dazu der Schlusssatz: «Das bin ich», untermalt vom Logo des Kantons Zürich.

Auch ein bisschen sexy

Warum kommt es überhaupt zu dieser Premiere? Die herkömmliche Form der Broschüre sei nicht mehr so zeitgemäss, da jeder und jede via Internet Zugriff auf die trockenen Daten über den Kanton Zürich habe, sagt Projektleiterin Casanova. «Wir wollten emotionale Bewegtbilder, die Sympathien für den Kanton Zürich wecken.» Der Film koste den Kanton 90 000 Franken.
Den Auftrag für seine Produktion erhielt die Zürcher Agentur Filmgerberei. Sie überzeugte Projektleiterin Casanova mit der Idee des Ich-Erzählers, der für den Kanton Zürich spricht.

Speziell sind ferner die wiederkehrenden choreografischen Elemente, wie etwa die drei Mähdrescher, die drei Limmat-springerinnen oder drei Presslufthammer-Bauarbeiter, die eigens für den Film inszeniert wurden. Sie verleihen dem Werk bei aller Schönfärberei eine manchmal witzige Note.

Doch was sagt uns all das? Zürich ist urban und ländlich. Arbeitsam und kulturbeflissen. Und manchmal auch ein bisschen sexy, so die Werbebotschaft. Schattenseiten, die es im Kanton Zürich auch gibt, sind ausgeblendet. Klar, es ist ein Imagefilm. Sein Zweck ist Werbung. Doch die etwas gar häufig verwendete Drohnenperspektive verstärkt den Eindruck, dass hier ein Blickwinkel ohne Bodenhaftung eingenommen wird. Zürich von oben ist nicht das Zürich aller. Aber fürs Standortmarketing taugt das Filmchen schon.