Eigentlich hätten die Verantwortlichen des Kulturhauses Helferei die diesjährige Weihnachtsfeier wieder in den renovierten Räumlichkeiten durchführen wollen, doch sie mussten sie in die Räume des gegenüberliegenden Hauses Karl der Grosse verlegen. Die Renovations- und Umbauarbeiten in der Helferei und der angebauten Kapelle sind nach der ursprünglich eingeplanten einein- halbjährigen Bauzeit noch nicht abgeschlossen. Auf einem Rundgang erklärt Regine Helbling, Mitglied der Kirchenpflege Grossmünster und der Baukommission, es hätten sich sehr komplexe Probleme ergeben. «Aber am Ende haben sich überall gute Lösungen finden lassen.»

Zwinglistube, aber kein Museum

In erster Linie gab der Blitzschutz zu Verzögerungen Anlass. Die in den Jahren 1857 bis 1860 an die Helferei angebaute Kapelle steht auf einem Kiesbett, was zu grossen Schwierigkeiten für das Erreichen der geforderten Ableitwerte führte. Die Helferei selber – so genannt, weil hier ab 1955 der Gemeindehelfer seinen Sitz hatte – stammt teilweise sogar aus dem 13. Jahrhundert, und man weiss, dass hier Huldrych Zwingli mit seiner Familie wohnte. «Von diesem Hause zog er am 11. Oct. 1531 mit dem Heere der Zürcher nach Kappel aus, wo er für seinen Glauben starb», heisst es auf einer Tafel über dem Eingang.

Im Haus selber gibt es die «Zwinglistube», die nachgewiesenermassen zu seiner Wohnung gehörte. Sie wurde mehr oder weniger im bisherigen Zustand belassen, wie Helbling erläutert. 2019 jährt sich die Anstellung Zwinglis als Grossmünsterpfarrer zum 500. Mal. Es ist aber nicht geplant, eine Art Zwinglimuseum einzurichten, wie Helbling weiss. Aber in der einen oder andern Form werde das Haus in die Jubiläumsfeierlichkeiten einbezogen, mutmasst sie.

Viele tausend Besucher

Grössere Veränderungen ergeben sich in manchen anderen Räumlichkeiten, die einer umfassenden Renovation unterzogen wurden und nun wieder für die zahlreichen Anlässe zur Verfügung stehen. 42 000 Besucherinnen und Besucher zählte man 2011 an den vom Kulturhaus und anderen durchgeführten Veranstaltungen.

Die Umbau- und Renovationsarbeiten, für die der Stadtverband einen Kredit von 8 Millionen Franken bewilligt hat, wurden nötig, um verschiedene Auflagen zu erfüllen. So entsprach die Küche nicht mehr den Anforderungen, der Lift musste behindertengerecht gestaltet werden und die Gebäudetechnik war veraltet.

Im Frühling ist es so weit

Nun sind die meisten Neuinstallationen vorgenommen worden, die Böden sind gelegt, der neue Lift eingebaut. Am 1. März sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein, das ist versprochen. Und am 5. und 6. April findet das Eröffnungs- und Einweihungsfest statt.

«Auf den Neuanfang freuen wir uns alle», hält Regine Helbling fest. Sie wird dann auf eine ziemlich genau zehn Jahre dauernde Planungs- und Bauzeit zurückblicken können. Für sie ist klar: «Bei einem derart geschichtsträchtigen Haus braucht man einen langen Atem.»

Dem Alten nachtrauern

Sie weiss auch, dass der eine oder andere dem Alten nachtrauern dürfte. Vermissen wird man vielleicht den Drittweltladen, der keinen fixen Raum mehr haben wird.

Auch die beliebte Bring-und-Hol-Bibliothek wird nicht wieder eingerichtet. Wer wie früher Bücher abgeben oder sich gratis neue besorgen möchte, muss auf die entsprechende Einrichtung im Lavaterhaus der benachbarten Kirchgemeinde St. Peter ausweichen. Aber Helbling ist überzeugt: «Man wird sich rasch an die Annehmlichkeiten gewöhnen, die der Umbau mit sich bringt.»