Horgener Zwillinge
Zwillingsmörderin vor Obergericht: «Ich sehe mich als Monster»

Die Frau, die 1999 und 2007 in Horgen ZH ihre drei Kinder erstickt hat, sieht sich selbst "als Monster". Dies sagte die 40-Jährige am Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht, welches die Umwandlung der ambulanten Massnahme in eine stationäre ablehnte.

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Gerichtszeichnung aus dem Prozess von 2010

Gerichtszeichnung aus dem Prozess von 2010

Keystone

Der Verteidiger hatte das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Horgen angefochten. Er bestreitet die Mordqualifikation und fordert eine Qualifizierung aller drei Taten als vorsätzliche Tötung. Vor allem aber will er eine stationäre Massnahme für seine Mandantin erreichen. Seine Mandantin bedürfe zweifellos der entsprechend intensiven Therapierung.

Die Oberrichter befragten am Donnerstag die Schweizerin erneut zu ihrem Leben und ihren Taten. Wie schon vor der ersten Instanz beteuerte die Frau, wie Leid ihr alles tue. Mit ihren Taten, die sie zutiefst bereue, müsse sie nun leben. "Ich stehe jeden Tag auf und weiss, ich bin die, die das getan hat", sagte sie.

Zwar versichere ihr ihre Therapeutin, trotz ihrer schrecklichen Taten sei sie ein wertvoller Mensch. Aber "ich sehe mich als Monster", sagte die Beschuldigte. Die Therapie helfe ihr aber, sich "Stück für Stück dem Auslöser der Delikte zu nähern".

Eifersucht und Wut

Wie vor dem Bezirksgericht gab die Frau an, das Baby habe sie im Juli 1999 einfach zum Schweigen bringen wollen. Es habe ständig geschrien. Ihre schlafenden Zwillinge habe sie in der Nacht auf Heiligabend 2007 aus einem Impuls heraus mit ihren Kissen erstickt. Sie sei wütend und eifersüchtig auf die beiden gewesen, weil sie ein so viel schöneres Leben hatten, als sie selbst es als Kind gekannt hatte.

Vor allem, dass die Grossmutter - ihre eigene Mutter - sich so liebevoll den Enkelkindern zuwandte und von diesen geliebt wurde, konnte sie nicht ertragen. Sie selbst wuchs gemäss ihren Schilderungen in einer ausgesprochen lieblosen Familie auf.

Nach ihrem Geständnis am 12. Dezember 2012 vor dem Bezirksgericht hätten Eltern und Bruder jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen. Dass der Vater verstorben sei, habe sie von den Behörden erfahren.

Ambulante Massnahme angeordnet

Das Bezirksgericht Horgen hatte die Frau Ende Januar 2013 erstinstanzlich des mehrfachen Mordes (ihrer siebenjährigen Zwillinge) und der vorsätzlichen Tötung (ihres sieben Wochen alten erstgeborenen Töchterchens) schuldig gesprochen.

Es verhängte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und ordnete eine ambulante Massnahme an. Diese beinhaltet eine Stunde Einzeltherapie pro Woche während des Strafvollzugs. So lange in der neuen Therapieabteilung im Frauengefängnis Hindelbank BE Platz ist, erhält sie dort die intensive Behandlung einer stationären Massnahme. Von den 18 Plätzen seien zurzeit 14 belegt, sagte die Beschuldigte.