Dass der Grüne Bastien Girod im ersten Wahlgang für den Ständerat überraschend viele Stimmen holte und hinter dem bereits gewählten Daniel Jositsch (SP) und den weiteren Favoriten Ruedi Noser (FDP) und Hans-Ueli Vogt (SVP) auf dem vierten Platz landete, hatte bei seinen Parteikollegen zwar für Applaus gesorgt. Aber bei vielen Parteiexponenten hatte die Aussicht, nun in einen zweiten Wahlgang steigen zu müssen, auch Besorgnis ausgelöst.

Denn die Partei verfügt grundsätzlich nicht über viel Geld. An der Parteiversammlung der Grünen des Kantons mussten die Mitglieder einen Tag nach dem ersten Wahlgang ein Budget 2016 bewilligen, das als Sparmassnahme eine Kürzung des Stellenplans auf dem Parteisekretariat vorsieht.

Ein Sondereffort

Als sich die Grünen an derselben Versammlung klar dazu entschlossen, Girod in den zweiten Wahlkampf zu schicken, sprach sich zwar auch Fraktionspräsidentin Esther Guyer für diesen Entscheid aus – sie warnte aber vor diesem «Wagnis» und dem «sehr schwierigen Wahlgang». Es brauche einen Sondereffort aller Parteimitglieder, dies auch finanziell.

Bastien Girod und die Grünen starteten nach jener Parteiversammlung mit null Franken in den zweiten Wahlgang, sagt Parteisekretärin Ulla Blume. Und Bastien Girod meint, dass er anfänglich mit einem Budget von rund 10 000 Franken gerechnet habe, das er für die nur knapp fünf Wochen dauernde Kampagne zur Verfügung haben werde.

Seine politischen Herausforderer verfügen über grössere Mittel. Der anfänglich eher unbekannte SVP-Kantonsrat Hans-Ueli Vogt war über Wochen mit seitenfüllenden Inseraten präsent. Und FDP-Nationalrat Ruedi Noser, der auf seiner Website die eingehenden Spenden publiziert, hatte bis zum 8. Oktober, der letzten Aktualisierung, fast 373 000 Franken eingenommen. 225 000 Franken sollten für den ersten Wahlgang verwendet werden, der Rest für den laufenden zweiten Durchgang.

Nun hat aber auch die Grünen-Kandidatur markant an Schwung gewonnen. Selbst die «NZZ» titelte gestern: «Plötzlich reden alle von Bastien Girod». Denn das Rennen um den zweiten Ständeratssitz scheint offen. Für den zweiten Ständeratssitz treten noch Vogt, Noser und Girod an. Die drei unterstützenden Lager seien etwa gleich gross, sagte Ruedi Noser in dieser Woche an einem Podium. Ein «Zufallsentscheid» sei möglich.

Girod meinte gestern, als er an seiner Wahlkampf-Pressekonferenz verschiedene Unterstützer aus Politik und Verbänden vorstellte, dass «die Sensation möglich» sei. Der 34-Jährige verweist darauf, dass der Support für seine Kandidatur spürbar gestiegen sei. Der Zuspruch auf seiner Facebook-Seite habe sich seit dem 18. Oktober verdreifacht. Beim Verteilen von Flyern seien die aufmunternden, unterstützenden Voten dreimal häufiger als vor dem ersten Wahlgang. Und auch die eingehenden Spenden hätten alle Erwartungen übertroffen. Nicht nur die anfänglich erhofften 10 000 Franken sind zusammengekommen; sondern auch die im langen Wahlkampf vor dem ersten Wahlgang gesammelten (und damals ausgegebenen) 30 000 Franken sind schon übertroffen – und dies «rund dreimal», wie Girod gestern sagte. Schmunzelnd ergänzte er: «Jetzt müssen wir nur noch die Stimmenzahl verdreifachen.»

«Eine Stimme für die Umwelt»

Bastien Girod will deshalb nicht von einem «Zufallsentscheid» sprechen; die Wähler könnten ja inhaltlich entscheiden. So präsentierte er sich gestern als Politiker, der unter anderem für die Energiewende, den Kulturlandschutz und den AHV-Kompromiss stehe.

Verschiedene SP-Exponenten, etwa der frühere Regierungsrat Markus Notter oder der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber, haben angekündigt, den Freisinnigen Ruedi Noser zu unterstützen. Dabei handle es sich um «einige wenige», meinte SP-Präsident Daniel Frei gestern. Die SP unterstütze als Partei klar den Kandidaten der Grünen. Angesichts des Rechtsrutsches «braucht es im Ständerat eine starke Stimme für den Umweltschutz». Ähnlich äusserten sich auch GLP-Kantonsrätin Barbara Schaffner, deren Partei keine Wahlempfehlung abgegeben hat, und SP-Kantonsrat Ruedi Lais im Namen von Pro Natura.