Einkesselung FCZ-Fans
Zweifel wegen internem Dokument: Hat die Polizei alles geplant?

Ein internes Dokument der Zürcher Stadtpolizei lässt Zweifel aufkommen, ob die Einkesselung von über 700 FCZ-Fans im Voraus geplant worden ist. Das Vorgehen war über acht Seiten minutiös geplant.

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Die Zürcher Stadtpolizei im Einsatz. War das Vorgehen von Anfang an geplant? (Symbobild).

Die Zürcher Stadtpolizei im Einsatz. War das Vorgehen von Anfang an geplant? (Symbobild).

KEYSTONE/WALTER BIERI

Es war im Februar 2015, als mehr als 700 FCZ-Fans nach dem Fussball-Derby GC gegen FCZ von der Polizei eingekesselt und über Stunden festgehalten wurden. Als Grund gab die Polizei die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit an, da innerhalb eines Fanmarsches eine grosse Anzahl von Pyros und Böllern gezündet worden war. Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) hatte damals darauf hingewiesen, dass die Einkesselung weder vorbereitet noch geplant gewesen war.

Im Zusammenhang mit dem laufenden Strafverfahren gegen die politischen und operativen Verantwortlichen des Polizeieinatzes liegt der Sendung "Schweiz aktuell" ein internes Polizeidokument vor, welches Zweifel an Wolffs Aussage aufkommen lässt. Der Einsatzbefehl ist auf den 18. Februar datiert – also drei Tage vor der Einkesselung – und soll auf über acht Seiten minutiös geplant worden sein. Sogar der Befehl "Kessel FCZ" ist notiert, bei welchem genau beschrieben wird, wie die Polizisten gegenüber den Fans vorgehen sollen.

Nur Variante Kessel vorgesehen?

Für Anwalt Karl Kümin, welcher eine im Kessel festgehaltene Frau vertritt, ist klar, dass beim Fanmarsch von Anfang an nur das Vorgehen mit Kessel vorgesehen war. Normalerweise – wie beim GC-Fanmarsch – gebe es zwei Varianten: Marsch ins Stadion sowie Marsch und Kessel.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, verteidigt das Vorgehen der Polizisten. Das Gefahrenpotenzial müsse bereits im Vorfeld abgewägt und die Aufstellung der Einsatzkräfte geplant werden, damit diese in einer Extremsituation sofort eingreifen können. Ein friedlicher Fanmarsch würde laut Cortesi nicht gestört werden, nur im Falle einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, wie es am 21. Februar 2015 der Fall gewesen sei.

Vorsortiertes Videomaterial?

Als weiteren Kritikpunkt gibt Anwalt Kümin an, von der Staatsanwaltschaft nur eine Auswahl an Bildern erhalten zu haben, die wenigsten davon betreffen den Polizeikessel, was ihn "sehr stutzig" mache.

Die schriftliche Antwort der Staatsanwaltschaft Zürich auf Kümins Vorwurf lautet laut "Schweiz aktuell" wie folgt: "Die Staatsanwaltschaft hat, wie in solchen Fällen üblich, das umfangreiche Material gesichtet und das relevante Material für die Beurteilung der Frage, ob die Kesselung angemessen war oder nicht, zu den Akten erhoben und den Parteien zukommen lassen." Laut der Sendung soll das Verfahren gegen den zuständigen Einsatzleiter kurz vor dem Abschluss stehen; der zuständige Staatsanwalt wolle es einstellen.