Die Sträucher sind äusserst anspruchslos. Sie wachsen in trockener Umgebung, zwischen Steinen, und ertragen die Hitze bestens. In einem Land mit Wassermangel und schwierigen Produktionsbedingungen sind Kapern ein Geschenk der Natur. Und dennoch werden die wild wachsenden Früchte in Palästina kaum geerntet. «Kapern sind nicht Teil der arabischen Küche», weiss Samuel Kessens vom Landwirtschaftsbetrieb Brüederhof in Dällikon. «Die meisten Palästinenser wissen gar nicht, dass man sie essen kann.»

Im Rahmen seines Studiums der Agrarwissenschaften an der ETH reiste Kessens vor fünf Jahren zum ersten Mal in den Nahen Osten. Vor zwei Jahren schrieb er an der Universität Bethlehem seine Masterarbeit über ein landwirtschaftliches Projekt.

Als er durch das trockene Land streifte, zupfte er da und dort Kapern von den Büschen, legte sie in Salz und Essig ein und probierte. Sie schmeckten gut. So entstand die Idee, die Knospen und Früchte in die Schweiz zu importieren und hier zu vermarkten. «Kleinbauern in Palästina sollen eine neue Einkommensquelle erhalten», erklärt Kessens. Er konnte zwei Familien gewinnen, welche die Kapern sammeln und in Essigwasser einlegen.

350 Bestellungen sind nötig

Zusammen mit seinem Freund und Studienkollegen Severin Hellmüller aus Zürich gleiste Kessens die Vermarktung auf. Dabei waren Hellmüllers Erfahrungen wertvoll, die er im Praktikum bei der Fairhandels-Organisation Gebana gesammelt hatte. Das Angebot ist seit Ende Dezember auf der Gebana-Webseite aufgeschaltet. Die beiden ziehen das Projekt nur durch, wenn bis Mitte April 350 Bestellungen zusammenkommen. Bis gestern waren 200 eingegangen. Der Aufwand lohne sich erst ab dieser Menge, erklärt Hellmüller.

Vom Verkaufspreis fliesst etwa ein Drittel zu den palästinensischen Bauern. Der Rest wird für Schiffstransport und Vermarktung gebraucht. Die beiden Schweizer verdienen nichts daran. «Uns verbindet das Interesse an nachhaltiger Landwirtschaft, Direktvermarktung und Entwicklungshilfe», erklärt Kessens. Sein Vater Gerd Kessens hat auf dem Biohof in Dällikon den Gemüselieferdienst aufgebaut, welcher der 29-Jährige demnächst übernehmen werde.

Neben den Kapern bieten die beiden auch Mischpakete mit den Gewürzen Sumak und Za’tar sowie dem Getreide Freekeh an. Bei den eingemachten Kapern stehen zudem zwei Sorten zur Auswahl: Die kleinen Knospen, die vor der Blüte geerntet werden und die fruchtigeren Kapernäpfel, die sich aus den prächtigen Blüten entwickeln.

Diesen Frühling wollen Samuel Kessens und Severin Hellmüller ein weiteres Mal zusammen nach Palästina reisen – vorausgesetzt, das Projekt kommt zustande. Sie werden dafür sorgen, dass die Verarbeitung der Kapern unter hygienischen Bedingungen erfolgt, wie es für die Vermarktung in der Schweiz erforderlich ist. «Möglichst viel der Wertschöpfung soll bei den Bauern vor Ort bleiben», betont Hellmüller.