Bezirksgericht Zürich
Zwei «Pink Panther» kommen mit einem blauen Auge davon

Laut Anklage sollten zwei Mitglieder der berüchtigten „Pink Panther-Bande“ wegen der Vorbereitung von Raubüberfällen in Zürich für sechs Jahre und vier Jahre hinter Gitter. Allein, es fehlten die Beweise.

Attila Szenogrady
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Strenge Sicherheitsmassnahmen beim Pink-Panther-Prozess

Strenge Sicherheitsmassnahmen beim Pink-Panther-Prozess

Keystone

Bezirksgericht Zürich: Nur 27 Monate und 20 Monate Knast für serbisch-bosnisches Duo

Laut Anklage sollten zwei Mitglieder der berüchtigten „Pink Panther-Bande“ wegen der Vorbereitung von Raubüberfällen in Zürich für sechs Jahre und vier Jahre hinter Gitter. Da das Gericht die geplanten Raubtaten als nicht erwiesen einstufte, kamen die Beschuldigten wegen Nebendelikten mit erheblich milderen Strafen davon.

Es war „Kommissar Zufall“, der in Zürich am 5. Dezember 2014 zwei Mitglieder der „Pink Panther-Bande“ ins Gefängnis brachte. Bei einer Routine-Kontrolle nahm die Polizei im Kreis 5 zwei verdächtige Männer fest. Während sich ein Bosnier widerstandslos abführen liess, rannte ein Serbe davon und sprang in der Nähe des Landesmuseums in die Limmat. Die Wasserschutzpolizei konnte den heute 31-jährigen Mann gerade noch vor dem Ertrinken retten.

Zwei Pink Panther erwischt

Die Zürcher Fahnder konnten einen grossen Erfolg feiern. So waren ihnen gleich zwei Pink Panther ins Netz gegangen. Beide Männer wurden im Ausland gesucht. Der heute 32-jährige Bosnier in Deutschland, da er im August 2010 in Köln an einem Ueberfall auf ein Juweliergeschäft beteiligt gewesen sein soll. Der Serbe in Oesterreich, wo er vor zwei Jahren irrtümlich zu früh aus dem Gefängnis entlassen worden war. Der Mann hatte nach einem Raub in Eisenstadt eine Freiheitsstrafe von über sechs Jahren kassiert. Bei jenem Ueberfall hatte ein Täter einem Uhrmacher ins Gesicht geschossen. Wobei das Opfer später verstarb. Der serbische Hilfsarbeiter wurde bereits früher für andere Raubüberfälle zu weiteren hohen Freiheitsstrafen verurteilt.

Laut Anklage Raubüberfälle vorbereitet

Laut Anklage wollten die beiden Beschuldigten ab November 2014 auch in Zürich zuschlagen. Die Staatsanwaltschaft lastete beiden Beschuldigten strafbare Vorbereitungshandlungen zu Raub, mehrfache Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, mehrfache, teilweise versuchte Entwendung von zehn Fahrzeugen der Marke BMW sowie in einem Fall des Serben Hinderung einer Amtshandlung vor.

Am Dienstag mussten sich die beiden Pink Panther vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten und mit hohen Freiheitstrafen von sechs und vier Jahren rechnen. Der zuständige Staatsanwalt zählte zahlreiche Hinweise auf. So hatten beide Männer in Notizbüchern zahlreiche Informationen über ein halbes Dutzend Juweliergeschäfte in Zürich und Winterthur gesammelt. Zudem hatten sie im Grossraum Zürich zehn Fahrzeuge der Marke BMW vorwiegend mit elektronischen Funkgeräten geknackt und drei davon entwendet. Laut Staatsanwalt sollten die am Zürcher Stadtrand parkierten Fahrzeuge als Fluchtautos dienen. Diverse sichergestellte Tatwerkzeuge stellten weitere Indizien dar.

Wo waren die Sturmhauben und Waffen?

Beide Beschuldigten stritten die Hauptvorwürfe der geplanten Raubtaten ab. Der Serbe gestand bloss eine Hinderung einer Amtshandlung ein. Der Bosnier gab wenigstens die Entwendung der BMW-Fahrzeuge zu. Doch nur, um diese gewinnbringend an einen angeblichen Italiener zu verkaufen.

Verteidigerin Caroline Engel und ihr Berufskollege Mathias Oertle zeigten die Schwäche der Hauptanklage auf. So hatten die Fahnder bei den mutmasslichen Räubern weder Waffen noch Sturmhauben beschlagnahmt. Was gegen einen bewaffneten Raubüberfall sprach. Rechtsanwältin vertrat die Ansicht, dass ihr Mandant höchstens einen Einbruchsdiebstahl geplant hatte. Sie setzte sich deshalb für eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten ein. Der zweite Verteidiger hielt gar nur eine unbedingte Geldstrafe für angemessen.

Indizien sind noch keine Beweise

Bei den Hauptvorwürfen folgte Gericht der Verteidigung und sprach beide Männer von den Vorwürfen der Vorbereitungshandlungen zu einem Raub frei. Selbst gewichtige Indizien

seien noch keine Beweise, befanden die drei Bezirksrichter und vertraten die Ansicht, dass die Täterschaft wohl eher Rammbock-Einbrüche geplant habe. Womöglich hätten wohl die entwendeten Fahrzeuge als Rammböcke gedient. Es gehe auch nicht an, aufgrund der belasteten Vergangenheit einfach auf neue Raubtaten zu schliessen, erklärte der Vorsitzende.

Für die erwiesenen Nebendelikte setzte es dagegen wegen eines mittelschweren Tatverschuldens recht happige Freiheitsstrafen ab. Der Serbe erhielt 27 Monate Gefängnis. Aufgrund seiner Vorstrafen ohne Bewährungschance. Er soll zudem anschliessend einen mehrjährigen Strafvollzug in Oesterreich antreten. Der Bosnier kam zwar mit 20 Monaten bedingt davon, muss aber mit seiner baldigen Auslieferung nach Deutschland rechnen. Dennoch konnte der Staatsanwalt, der von gewaltbereiten Berufskriminellen gesprochen hatte, nicht zufrieden sein. Er kann den Fall allerdings an das Obergericht weiterziehen.