Dübendorf
Zwei-Jahres-Bilanz zeigt: Einziger Polizeihelikopter der Schweiz muss immer öfter in die Luft

In Dübendorf betreibt die Kantonspolizei ihr exklusivstes Einsatzmittel: einen Helikopter. Die Maschine wird immer häufiger angefordert, wie eine Bilanz nach knapp zwei Jahren zeigt.

Ernst Hilfiker
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Begehrt: Der Helikopter der Kantonspolizei Zürich ist der einzige Polizeihelikopter in der Schweiz.

Begehrt: Der Helikopter der Kantonspolizei Zürich ist der einzige Polizeihelikopter in der Schweiz.

Michael Heid

Kaum ein Actionstreifen, in dem er fehlt, doch in der Schweizer Realität ist er ein absoluter Exot: der Polizeihelikopter. In ganzen Land gibt es genau ein Exemplar davon. Es gehört der Kantonspolizei Zürich und steht in einem Hangar auf dem Militärflugplatz Dübendorf.

Den Helikopter mietete die Kantonspolizei bis im Herbst 2015 bei Bedarf bei der Heli Linth AG im Glarnerland. Seither ist die Kapo Halterin der Maschine. Das zeigt sich einerseits in der Farbgebung: blau-weiss, wie das Kantonswappen. Andererseits in der viel schnelleren Reaktionszeit: Werktags kann der Helikopter innert 30 Minuten in der Luft sein, nachts und an Wochenenden in spätestens zwei Stunden.

Was für Laien nach viel Zeit tönt, ist eine extrem gute Leistung, denn der Pilot befindet sich nur unter der Woche tagsüber auf der Basis; zu allen anderen Zeiten muss er zuerst nach Dübendorf fahren. Zudem verfügt die Polizei nur über drei Piloten. Dass trotz dieser beschränkten Ressourcen und unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften ein 24-Stunden-Betrieb geboten werden kann, ist nur möglich, «weil alle mit Herzblut dabei sind», sagt Basisleiter Markus Etschmann.

Suchen, beobachten, festhalten

Das Engagement der Crew zahlt sich aus: Jedes Jahr wird der Helikopter häufiger aufgeboten. Waren es 2014 noch 51 Einsätze, kam man im vergangenen Jahr auf 71. Heuer ist man bereits bei fast 60; bis Ende Jahr dürfte wohl fast die 100er-Marke erreicht sein. Bei über der Hälfte der Einsätze handelt es sich laut Etschmann um Suchflüge. Gesucht werden das vermisste Kind, der aus dem Heim weggelaufene Senior, der selbstmordgefährdete Mann. Aber auch Straftäter, beispielsweise den 51-Jährigen, der als «Kettensägenmann von Schaffhausen» bekannt wurde.

Ideal ist der Helikopter auch, wenn es darum geht, sich über Geschehnisse auf einer grossen Fläche einen Überblick zu verschaffen. So geht die Polizei immer häufiger in die Luft, wenn sie bei Grossanlässen wie der Street Parade oder problematischen Fussballspielen verfolgen muss, in welche Richtung sich Besucherströme bewegen und ob es allenfalls zu einer gefährlich dichten Menschenansammlung kommt.

Ferner wird der Helikopter eingesetzt, um aus der Vogelperspektive besondere Unfallstellen zu dokumentieren. Und hin und wieder auch, um Spezialisten wie Angehörige von Interventionseinheiten oder einen Suchhund schnell von A nach B zu bringen. Für den Blick von oben brauchen die Piloten und Einsatzleiter auch modernste Technik: Wärmebildkamera, 3-D-Scanner, Fotokamera, Handy-Lokalisierungssystem und einen Hochleistungsscheinwerfer, der 20 Mal so stark wie eine 100-Watt-Glühbirne ist. Equipment, dessen Handhabung regelmässig trainiert werden muss, weshalb der Helikopter fast täglich unterwegs ist.

Partner tragen Kosten mit

Zieht Markus Etschmann heute, bald zwei Jahre nach der Professionalisierung des Flugbetriebs eine Bilanz, so sagt er, dass sowohl die Anzahl wie die Art der Einsätze «in unseren Erwartungen liegen». Das bedeutet auch, dass der Helikopter bei den Kooperationspartnern der Zürcher eine gefragte Sache ist. Denn geflogen wird in einem halben Dutzend Kantonen sowie für nationale Behörden. Auch im Ausland war die Maschine schon im Einsatz: Im Südtirol konnte ein gesuchter Bergsteiger gefunden werden.

Die Zusammenarbeit mit Partnern bringt den Crews – übrigens alles ausgebildete Polizisten – nicht nur wichtige Routine, sondern ist «auch sinnvoll, um die hohen Kosten für den Helikopterbetrieb zu teilen», sagt Etschmann. So werden rund 80 Prozent des jährlichen Betriebsaufwands von 550 000 Franken durch andere Kantone beglichen.

Die Nachfrage nach dem Helikopter zeige auch, dass dieses Einsatzmittel «in der heutigen Zeit einfach ein nötiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit ist». Das bedeutet auch, dass sicher weitergeflogen werde: In naher Zukunft mit der aktuellen Maschine – «mit ihr sind wir sehr gut bedient» – , doch in etwa zwei, drei Jahren wird man nach einem Ersatz für den dann zehnjährigen Helikopter Ausschau halten müssen.