Zürich
Zwei Altstetterinnen misten aus: «Wir sind aber kein Brockenhaus»

Elke Naumer und Claudia Tremel machen das zum Beruf, was sie gerne tun – dabei entscheidet immer der Kunde, was bleibt und was im Kübel landet

Lina Giusto
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Die beiden Aufräumerinnen Elke Naumer (l.) und Claudia Tremel (r.) erarbeiten mit dem Kunden zusammen seine individuelle Ordnung.

Die beiden Aufräumerinnen Elke Naumer (l.) und Claudia Tremel (r.) erarbeiten mit dem Kunden zusammen seine individuelle Ordnung.

Lina Giusto

«Alles findet seinen Platz. Wir ordnen, organisieren, sortieren und überdenken für Sie.» So lautet das Motto auf dem Flyer der Aufräumerinnen Zürich. Dahinter stehen Elke Naumer und Claudia Tremel – Ende Vierzig und Anfang Fünfzig –, die es nun zum Beruf machen, was sie gerne tun: Aufräumen. «Ich bin ordentlich, strukturiert und entrümple regelmässig selber», so beschreibt sich Naumer. Tremel nickt zustimmend: «Das haben wir beide gemeinsam.»
Aber eben nicht nur.

Die in Altstetten wohnhaften Frauen, haben zwei Kinder im Teenageralter, Arbeiten beide Teilzeit in Büros, engagieren sich im Quartier, leisten immer wieder Freiwilligenarbeit – sei es im GZ Loogarten, im Elternrat der Primarschule oder im Chor. «Unsere Kinder werden langsam älter und so haben wir wieder mehr Ressourcen», so Naumer. «Die Zeit wollen wir mit etwas nutzen, dass wir gerne machen und gut können», so Tremel. Damit meint sie den Haushalt aufräumen, das Privatbüro ordnen, Ausmisten vor einem Umzug, Einordnen beim Einzug und Ausrangiertes verschenken, verkaufen oder entsorgen. «Wir sind aber kein Brockenhaus», stellt Naumer sogleich klar.

Der Blick fällt auf die fünf farbigen, der Grösse nach geordneten Babuschkas, dem Symbol für Aufräumen mit System und Leichtigkeit, die auf dem Flyer der Aufräumerinnen prangern. Der Gedanke, dass fremde Personen in der eigenen Privatsphäre Ordnung schaffen, verursacht ein flaues Magengefühl. Das sogleich von Hellhörigkeit abgelöst wird.

Die beiden Frauen verstehen sich als «Entscheidungshilfe», wie sie selber sagen. «Die Ordnung muss zum Typ Mensch passen. Er soll darin ja auch leben können», so Naumer. Entsprechend gehen sie bei ihren Kunden vor: Sie stellen Fragen, lassen die Klienten Gegenstände in die Hand nehmen und geben ihnen einen Anstoss, sich mit dem Gegenstand auseinanderzusetzen.

Es geht nur Schritt für Schritt

Assoziationen mit dem Bestseller «Magic Cleaning» von Marie Kondo sind kein Zufall. Naumer selber spricht den Namen der japanischen Autorin aus. Wer nun erwartet, dass die beiden Altstetterinnen der Japanerin nacheifern, irrt. Kondos Motto «wer Gewohnheiten ändern will, muss seine Einstellung ändern» ist den beiden zu streng. Vielleicht sogar zu engstirnig. «Das man nur Sachen behalten soll, die einem Freude bereiten, macht für uns wenig Sinn», sagt Tremel. Dennoch war es Kondo die Naumer auf die Idee mit dem Unternehmen gebracht hat: «Als ich zum ersten Mal von ihr las, war ich fasziniert davon, dass man mit Aufräumen Geld verdienen kann.» Sie war es denn auch die Tremel vorschlug, daraus eine Dienstleistung zu etablieren.

Die beiden Frauen gehen beim Aufräumen systematisch vor. Es sei immer der Kunde der entscheide, wo etwas einen Platz finde, ob es verstaut oder entsorgt werde. So beginnen sie entweder mit einem Schrank oder einem Zimmer. «Alles auf einmal aufräumen, kann schnell zu Überforderung führen», so Naumer. «Das schrittweise Vorgehen entlastet und führt schneller zu einem Erfolgserlebnis», fügt Tremel an.

Aufräumen ist ein Bedürfnis

So wie sich die beiden Frauen bei ihren Aussagen ergänzen, so tun sie es auch in ihrer Zusammenarbeit. Dass sich die beiden intensiv mit ihrer Idee befasst haben, merkt man. Sie wirken eingespielt, aufeinander abgestimmt, hören dem jeweils anderen aufmerksam zu.
Aufmerksamkeit und Empathie sei denn auch sehr wichtig, wenn es darum gehe, jemandem in seinem Privatbereich beim Aufräumen zu helfen. «Das ist etwas sehr Persönliches», so Tremel. Dennoch sind die beiden überzeugt, dass es ein Bedürfnis für ihre Dienstleistung gibt. «Erste Anfragen haben wir bereits», so Tremel. Zudem bringen sie ihre Flyer derzeit aktiv unter die Menschen.

Als Zielgruppe sehen sie alle, die schon lange das Bedürfnis haben, gerne mal wieder richtig aufzuräumen, jedoch keine Zeit oder keine Möglichkeit haben. «Aufräumen mit einer aussenstehenden Person ist vielleicht einfacher, weil wir neutraler sind als Familienangehörige», so Tremel. Naumer nickt zustimmend.