Der technologische Wandel macht sich auch im öffentlichen Verkehr immer stärker bemerkbar. Insbesondere der Ticketverkauf via Smartphone oder Internet nimmt rasant zu. Mit einer neuen Vertriebsstrategie reagiert der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) auf die anstehenden Herausforderungen.

«Bereits heute verkaufen wir acht Prozent aller Tickets über mobile Kanäle», sagte ZVV-Direktor Franz Kagerbauer am Donnerstag vor den Medien. Die monatliche Zuwachsrate betrage 4 Prozent. Pro Jahr wachse dieser Absatzkanal damit um satte 60 Prozent. «Hier geht die Post ab», stellte Kagerbauer fest.

Dieser Trend lässt sich laut dem ZVV-Direktor nicht mehr umkehren. Die Branche reagiert auf diese Entwicklung mit der Einführung einer öV-Karte. Ab 2015 soll diese die heutigen Abos ersetzen. Ob der Inhaber ein General- oder ein Halbtaxabo besitzt, ist auf einem Chip gespeichert. Ab 2016 ist der Einsatz für ZVV-Abos geplant.

Mobilverkauf und Verkauf via Billettautomat machen heute 46 Prozent des ZVV-Umsatzes aus, Tendenz steigend. Seit dem Jahr 2000 hat sich dieser Anteil verdoppelt, wie Kagerbauer sagte. Der Trend zur Selbstbedienung habe Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des bedienten Verkaufs.

Keine Entlassungen

Der ZVV setzt deshalb künftig mehr auf Beratung und Service. Neue Beratungsstellen an strategisch günstigen Orten sollen bis 2020 die heutigen Verkaufsstellen ablösen. Auch zu Schliessungen wird es laut Kagerbauer kommen. Da die Umsetzung der neuen Strategie bis Ende des Jahrzehnts dauere, seien die Massnahmen jedoch gut planbar. Entlassungen werde es nicht geben.

Die Verteilung der Verkaufsstellen ist noch offen, wie Lorenzo Martinoni, beim ZVV für Preis und Vertrieb zuständig, erklärte. «Ziel ist, dass mindestens neun von zehn Zürcherinnen und Zürchern innert 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öV eine Beratungsstelle erreichen.»

Erste Beratungszentren in Winterthur und Zürich

Das erste Beratungszentrum unter dem Namen «ZVV Contact» eröffnen ZVV und Stadtbus Winterthur im Sommer 2013 am Hauptbahnhof Winterthur. Ein weiteres Beratungszentrum folgt ein Jahr später im Hauptbahnhof Zürich.

Betrieben wird es von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ). Auf den gleichen Zeitpunkt werden die heutigen Verkaufsstellen der VBZ beim Sternen Oerlikon und beim Central geschlossen. Weitere Schliessungen seien «noch völlig offen», betonte Martinoni.