Kanton Zürich
ZVV - Ab 2017 winken höhere Tarife

Die Regierung will dem Verbund für 2016/2017 weniger Kredit gewähren. Dafür dürften die Billettpreise steigen.

Heinz Zürcher
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Damit die öffentliche Hand nicht stärker belastet wird, ist es deshalb so gut wie sicher, dass die ZVV-Ticketpreise steigen werden. KEYSTONE/Urs Flüeler

Damit die öffentliche Hand nicht stärker belastet wird, ist es deshalb so gut wie sicher, dass die ZVV-Ticketpreise steigen werden. KEYSTONE/Urs Flüeler

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Gestern hat der Regierungsrat die Strategie des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) für die Jahre 2018 bis 2021 veröffentlicht. Zudem gab er die Höhe des Rahmenkredits bekannt. Dieser deckt diejenigen Kosten des öffentlichen Verkehrs im Kanton, die nach Abzug der Verkehrs- und Nebenerträge übrig bleiben. Die Finanzierung sichern je zur Hälfte die Gemeinden und der Kanton.

Der nun dem Kantonsrat beantragte Rahmenkredit für die Fahrplanperiode 2016/2017 beläuft sich auf 711,6 Millionen Franken. Das sind 26,2 Millionen Franken weniger als für die laufende Fahrplanperiode 2014/2015. Und dies, obwohl das Verkehrsangebot nach der Inbetriebnahme der Durchmesserlinie ausgebaut wird und mit der vierten Teilergänzung der Zürcher S-Bahn der umfangreichste Fahrplanwechsel in der Geschichte des ZVV ansteht. Dabei werden bis Ende 2018 neue Linien eröffnet, bestehende neu verknüpft und auf andere Strecken umgelegt. Zudem werden die Fahrzeiten angepasst, was sich wiederum auf rund 150 Buslinien auswirkt.

Mit der zweiten Etappe dieser Teilergänzung sind ab Ende dieses Jahres Verbesserungen im S-Bahn-Netz für die Regionen Knonaueramt, Limmattal, Furttal, Zürcher Unterland, Pfäffikon ZH und rechtes Zürichseeufer vorgesehen. Die dritte und letzte Etappe bringt vor allem zusätzliche Kapazitäten auf der Strecke zwischen Zürich und Winterthur und von Winterthur weiter in die umliegenden Regionen.

Stark steigende Nachfrage

Die politische Zielsetzung sieht vor, dass der öffentliche Verkehr mindestens 50 Prozent des Verkehrszuwachses übernimmt. Bis ins Jahr 2021 wird mit einer Steigerung der Nachfrage von 20 Prozent gerechnet.

Diese Vorgabe stellt den ZVV vor eine grosse Herausforderung. Insbesondere zu den Spitzenzeiten wird es in den Zügen, Trams und Bussen immer enger. Ein Ausbau des Angebots löst das Problem nur bedingt. «Wir können diese Engpässe nicht alleine beseitigen», sagt ZVV-Mediensprecherin Anna Steger. Hier müssten Verkehrsbranche, Politik und Gesellschaft gemeinsam nach Lösungen suchen – auch über die Verkehrsbranche hinaus.

Erhöhung um 2,5 Prozent

Es stellt sich aber auch die Frage, wie die zusätzlichen ZVV-Angebote finanziert werden sollen. Zwar ist durch den geplanten Ausbau sowie die steigenden Bevölkerungs- und Beschäftigungszahlen im Kanton Zürich mit höheren Einnahmen zu rechnen: Sie sollen ab 2015 pro Jahr um durchschnittlich 2,7 Prozent zunehmen. Parallel dazu fallen allerdings auch höhere Kosten an.

Damit die öffentliche Hand nicht immer stärker belastet wird, ist es deshalb so gut wie sicher, dass die Ticketpreise steigen werden. Im nächsten Jahr bleiben die ZVV-Kunden noch verschont. Für 2017 rechnet der Verkehrsverbund aber mit einer Preiserhöhung um 2,5 Prozent. Mit steigenden Billettpreisen allein ist das Problem jedoch nicht zu lösen. «Wir können die Tarife nicht ins Unermessliche erhöhen», sagt Anna Steger. «Es wird eine Mischrechnung, bei der auch die Verkehrsunternehmen über Effizienzsteigerungen einen Beitrag leisten müssen.»

Diese Effizienzsteigerung soll die Qualität nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: Gemäss «ZVV-Strategie 2018–
2021» wird bei allen Verkehrsunternehmen eine einheitliche und hohe Qualität der Leistungen angestrebt. Schwerpunkte setzt der Verkehrsverbund in den Bereichen Zuverlässigkeit, Störungsmanagement, Sicherheit, Sauberkeit und Personal. Die Kunden sollen zudem aktuell und umfassend informiert werden und dank einem Ausbau der Vertriebskanäle (Smartphone, Ticketautomat oder das Chipkartensystem SwissPass) den öV noch einfacher benutzen können. Verbessern will der ZVV auch den Service für Menschen mit Behinderung. Durch Sanierungen und Ausbauten von Haltestellen und Bahnhöfen sowie den Einsatz niederfluriger Fahrzeuge sollen gehbehinderte Fahrgäste bis 2024 nahezu das gesamte ZVV-Netz nutzen können.