Dietikon
Zusammenspiel zwischen Bild und Ton: das erste Bild entstand 2006

Rolf Brönnimann und Florian Walser erzählen von der Entstehung ihres Animationsfilmes «Bolero Station». Das Kulturzentrum am Bahnhof Dietikon platzte fast aus allen Nähten.

Flavia Lehmann
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«Öises Dietike» im Zeichen der Trickfilmausstellung: Florian Walser, Rolf Brönnimann und Helene Arnet (von links).

«Öises Dietike» im Zeichen der Trickfilmausstellung: Florian Walser, Rolf Brönnimann und Helene Arnet (von links).

flavia Lehmann

Ein fröhliches Plaudern erfüllt das «Gleis 21», Stühle scharren über den Boden und Neuankömmlinge versuchen, die letzten Sitzplätze zu ergattern. Heute Vormittag platzte das Kulturzentrum am Bahnhof Dietikon fast aus allen Nähten, als zahlreiche Zuhörer und Zuhörerinnen das Gespräch von Helene Arnet mit Rolf Brönnimann und Florian Walser besuchten.

Die Spezialausgabe von «Öises Dietike» fand im Rahmen der Trickfilmausstellung im «Gleis 21» statt und wurde vom Trio Trello musikalisch untermalt. Für einmal war jedoch nicht die Geschichte des alten Dietikons Gesprächsthema, sondern die herzerwärmende Geschichte einer Trickfilmfigur.

Über zehn Jahre lang arbeitete der Dietiker Grafiker Rolf Brönnimann an seinem neuen Animationsfilm «Bolero Station», der letztes Jahr am Trickfilm-Festival Fantoche gezeigt wurde. Die Musik dazu komponierte sein langjähriger Freund und Berufsmusiker Florian Walser. Die Geschichte handelt von einem Eisenbahnwärter, der in einem Haus inmitten der einsamen Gleislandschaft lebt, tagtäglich seine Arbeit verrichtet und jeden Abend Lotto spielt.

Der Zuschauer wird Teil seines repetitiven Alltages, der nur durch die täglichen Treffen mit der tollpatschigen Verkäuferin des Bahnhof-Marktes unterbrochen wird, bei der er seine Lottoscheine kauft. Die Beharrlichkeit des Wärters wird jedoch erst im hohen Alter mit einem Lottogewinn belohnt. Als in diesem freudigen Moment der Tod vor seiner Tür steht, lässt sich der alte Eisenbahnwärter seinem Glück nicht einfach so entziehen und liefert sich einen Kampf mit dem Sensenmann.

Inspiriert von Edward Hopper

«Das erste Bild habe ich im September 2006 gezeichnet», sagt Brönnimann. «Für das einsame Wärterhaus neben den Gleisen habe ich mich vom berühmten Maler Edward Hopper inspirieren lassen.» Dieses Bild von den Gleisen und sein Wunsch, eine Kampfszene zu animieren, führten schlussendlich zur Geschichte rund um die «Bolero Station».

Die Zeichnungen malte Brönnimann alle von Hand, im gesamten 7500 bis 8000 Stück. «Ich arbeite lieber auf Papier als am Computer», so der Grafiker. Sobald die Zeichnungen koloriert sind, werden sie aber eingescannt und auf Photoshop bearbeitet. Auch dies sei mühselige Handarbeit, denn jeder Schatten müsse von Hand hinzugefügt werden.

Ich war erleichtert, als ich erfuhr, dass auch die Profis kein Programm haben, das diese Arbeit automatisch verrichtet», sagt Brönnimann. und lacht Um den Zuhörern und Zuhörerinnen den Entstehungsweg des Animationsfilms eindrücklicher zu vermitteln, wurde der zehn-minütige Film gestern vor und nach dem Gespräch je einmal abgespielt.

Anlehnung an Bollenhof

Wieso der Titel «Bolero Station» lautet, fiel dabei den meisten Besuchern nicht beim ersten Mal auf. «Ich wollte den Unterschied zwischen dem Jungen und dem Alten deutlich machen», erklärt Brönnimann. Das Häuschen des Eisenbahnwärters trägt den Namen «Bollerhof Station», als Anlehnung an den alten Bollenhof in Dietikon. Die abfallenden Buchstaben an der Hausfassade lassen das Gleiswärterhaus mit den Jahren jedoch zur «Bolero Station» werden.

Passend zum Titel beginnt der Film mit Eisenbahntönen im Bolero-Rhythmus. Dies sei Brönnimanns musikalischem Unwissen zu verdanken. «Was der Film mit Ravels Bolero zu tun hat, war mir anfangs schleierhaft», sagt Florian Walser. «Für mich haben die Figuren etwas sehr Schweizerisches an sich: die Pünktlichkeit des Gleiswärters, aber auch die Schüchternheit der beiden Verliebten und das Repetitive ihres Alltages.»

So entstand zu den beiden Figuren je eine Melodie, die zwar auf dem Rhythmus des Bolero basiert, jedoch von der Schweizer Volksmusik inspiriert wurde. Das Bild des Eisenbahnwärters wird von einer Schweizer Polka begleitet, die Darstellung der Verkäuferin von einer Mazurka.

«Die Musik vertieft das Bild und zeigt das Innere der Charaktere», so Walser. Brönnimann ist begeistert vom Endprodukt: «Das Bild kann auch ohne Ton schön sein, aber erst durch die Musik wird es perfekt abgerundet. Ich habe den Film zehn Jahre lang ohne Ton gesehen, aber durch die Musik ist er geboren worden.»

Brönnimanns Zeichnungen zu «Bolero Station» und andere Storyboards sind bis am 17. Mai an der Trickfilmausstellung im «Gleis 21» zu sehen.