«Wir wollen Menschen und Infrastruktur so vernetzen, dass ein Mehrwert entsteht», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch gestern vor den Medien. Drei Schwerpunkte setzt der Stadtrat in seiner Smart-City-Strategie:

Partizipation: Die Bevölkerung soll leichter Zugang zu Mitwirkungsverfahren an der Schnittstelle zwischen Stadt und Quartieren erhalten. Nebst Grossgruppenveranstaltungen sollen dazu auch Online-Kanäle dienen, wo alle ihre Ideen einbringen können, wie Mauch sagte.

Mobilität: Die Stadt will in rund zwei Jahren einen Quartierbus im Raum Altstetten-Albisrieden testen, dessen Fahrplan sich nach den Wünschen der Fahrgäste richtet. Die Bestellungen gehen über eine App ein. Zudem ist eine digitale Plattform für verkehrsmitttelübergreifendes Reisen geplant. Dabei werden öffentliche Verkehrsmittel mit Mietvelos oder -autos kombiniert, wie FDP-Stadtrat Michael Baumer erklärte. Langfristig setze die Stadt auch auf autonome Fahrzeuge, die an das öffentliche Verkehrsnetz anknüpfen.

Nachdem ein Test auf einem Areal der Verkehrsbetriebe Zürich bereits stattgefunden hat, schwebt Baumer nun ein Test im Linienverkehr vor, etwa von der Tramhaltestelle Zoo bis zum Zooeingang. Wann die ersten autonomen Fahrzeuge auf Zürichs Strassen rollen, ist laut Baumer noch offen.

Digitale Stadt: Immer mehr Dienstleistungen der Stadt sind für die Bevölkerung online zugänglich – und die digitalen Kanäle werden zunehmend genutzt. So gingen zuletzt 4300 Anmeldungen für Sport- und Freizeitangebote über die von der Stadt Zürich neu geschaffene Online-Plattform «Mein Konto» ein, hingegen nur noch 25 auf Papier, wie Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) sagte. Nun soll «Mein Konto» ausgeweitet werden, etwa, um den Bürgern die Übersicht über ihre Steuerzahlungen zu erleichtern. «Personen ohne Zugang zum Internet können aber weiterhin analoge Dienstleistungen nutzen», versicherte Finanzvorsteher Leupi.

Um die Entwicklung zur Smart City voranzutreiben, nimmt der Stadtrat auch Geld in die Hand: Mit Innovationskrediten von maximal jeweils 150 000 Franken sollen Projekte aus der Verwaltung schnell und direkt gefördert werden.

Zudem können Mitarbeitende eigene innovative Projekte, sogenannte Innovationsboxen, entwickeln und dafür 1000 Franken Startkapital sowie 70 Stunden freie Arbeitszeit erhalten. GLP-Stadtrat Andreas Hauri rechnet damit, dass im ersten Jahr mit den Innovationsboxen «vielleicht zehn wirklich gute Projekte» entwickelt werden, wie er auf Anfrage sagte.

Ausserdem sind bei Stadtentwicklung Zürich vier neue Stellen geplant, um Zürichs Smart-City-Strategie zu unterstützten. Insgesamt budgetiert der Zürcher Stadtrat nächstes Jahr 1,4 Millionen Franken für die Entwicklung der Smart City. Über den entsprechenden Nachtragskredit wird der Gemeinderat demnächst entscheiden.

In den Folgejahren will der Stadtrat die Beiträge noch erhöhen. So sind für die Innovationskredite 2019 insgesamt 300 000 Franken eingeplant; in den darauf folgenden Jahren wären es dann 600 000 respektive eine Million Franken. Für die Innovationsboxen budgetiert der Stadtrat nächstes Jahr 80 000 und in den Folgejahren jeweils 150 000 Franken. Auch das Smart-City-Personalbudget soll nach 2019 aufgestockt werden.

Gegen Zusatzkosten für die Smart-City-Strategie hatte sich die bürgerliche Ratsseite im Stadtparlament bereits vor zwei Jahren gewehrt: Statt neue Stellen zu schaffen, solle die Smart City zu mehr Effizienz und Einsparungen führen, erklärte FDP-Stadtparteipräsident Severin Pflüger damals. Auch der heutige FDP-Stadtrat Baumer lehnte die GLP-Motion für eine Smart-City-Strategie seinerzeit noch als Gemeinderat ab.

Stadt muss Wachstum verarbeiten

Darauf angesprochen, sagte er gestern: «Wir haben im Stadtrat vernünftige Lösungen gefunden, wie wir Innovationen voranbringen können.» Innovative Lösungen seien gerade für den Verkehr in der wachsenden Stadt gefragt. Bis 2040 werde die Einwohnerzahl der Stadt Zürich um einen Viertel wachsen. «Die Strassen werden deshalb aber nicht breiter. Wir müssen mit den gleichen Strassen mehr Mobilität abwickeln», so Baumer, der als Stadtrat den Verkehrsbetrieben Zürich vorsteht.

Finanzvorsteher Leupi ergänzte, auch im Steueramt gelte es, ohne Personalaufstockungen das Bevölkerungswachstum zu verarbeiten. Dazu brauche es Innovationen. «Unsere 30 000 Mitarbeitenden sind eine riesige Ressource. Es geht darum, Freiräume für Ideen zu schaffen», betonte Stadtpräsidentin Mauch.