Seit Monaten kann man von steigenden Zahlen bei den Asylgesuchen lesen. Im dritten Quartal dieses Jahres sollen es 42 Prozent mehr gewesen sein als in der Vorjahresperiode, schreibt das Bundesamt für Migration in seinem letzten Bericht. Landauf, landab wird kontrovers diskutiert, wo und wie die steigende Zahl an Asylsuchenden untergebracht werden sollen.

Umso verwunderlicher mag erscheinen, dass die Ausschaffungshaft des Flughafengefängnisses derzeit eine Belegung von unter 40 Prozent aufweist. Während die Zellen in den ersten Dezembertagen noch gut belegt waren, stehen viele davon seit Kurzem leer: 39,6 Prozent beträgt die Belegungsrate laut Auskunft des kantonalen Amtes für Justizvollzug. 106 Plätze stehen gesamthaft zur Verfügung.

Noch im Oktober lag die Zahl bei über 82 Prozent. Und von einem «Weihnachtseffekt» kann auch nicht die Rede sein: Im Dezember 2011 war das Gefängnis immerhin zu drei Vierteln belegt.

Zunahme an Dublin-Fällen

Einweisende Behörde des Gefängnisses ist das Migrationsamt des Kantons Zürich. Sprecherin Bettina Larcher hat eine Erklärung parat: «Wir hatten eine starke Zunahme an Dublin-Fällen.» Das sind Asylsuchende, die bereits in einem anderen europäischen Land, das Teil des Dublin-Abkommens ist, Aufnahme beantragt haben. «Diese Leute müssen wir innerhalb von 30 Tagen ins Erstland ihres Asylgesuchs zurückschicken», so Larcher.

Die Zunahme an Dublin-Fällen gehe auf eine Praxisänderung beim Bundesamt für Migration zurück, so Larcher. Um zu verhindern, das Auszuschaffende nicht zu ihren Ausschaffungsflügen erscheinen, habe das Amt vermehrt bei Dublin-Fällen Haft angeordnet. «Dadurch gab es mehr Haftanordnungen mit jeweils kürzerer Haftdauer», sagt Larcher. Die momentan leeren Zellen hängen auch damit zusammen, dass über die Festtage keine Ausschaffungen nach Italien durchgeführt werden, wo ein grosser Teil der «Dublin-Fälle» zuerst um Asyl nachgesucht hat.