«Ich bin noch nicht bankrott», scherzt er und bezahlt den Kaffee. Wenn Stavros Lymperis lacht, zeigt er seine weissen Zähne. Ernst wird er, wenn es um Griechenland geht. Noch ernster, wenn er über die Wirtschaftskrise und die damit zusammenhängenden Lebensbedingungen spricht.

Er ist in Athen geboren und aufgewachsen. Er bewohnt eine kleine Wohnung in Zürich. Im September lebt er seit zwei Jahren in der Schweiz. «Viele sind noch dort geblieben, andere sind ebenfalls weggegangen, wie ich», sagt er.

Der junge Grieche vermisst Familie und Freunde. «Während des Bachelorstudiums, die Krise hatte schon begonnen, wurde mir klar, dass ich ins Ausland will», sagt er. Weiterkommen, Berufserfahrung sammeln; das sei sein Ziel. «Immer von den Eltern abhängig sein, 700 Euro monatlich verdienen – das ist keine Perspektive für mich», so Lymperis. Deshalb bewarb er sich an der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, deren Ableger in Lausanne und der Technischen Universität in Delft (Holland). «Die ETH hat weltweit ein hohes Ansehen», sagt der 26-jährige Grieche. Während er spricht, gestikuliert er lebhaft mit seinen Händen.

Auswandern als Chance

An den Tag, als er die Zusage für den Masterstudiengang am Lehrstuhl für Management, Technologie und Wirtschaft in Zürich erhielt, kann er sich noch genau erinnern. «Ich war bereits mit Freunden unterwegs. Es muss wohl etwa 22 Uhr gewesen sein, als ich die E-Mail der ETH in meinem Postfach vorfand. Weil ich den ganzen Tag keine Nachricht erhielt, dachte ich mir, ich sei nicht angenommen worden», erzählt der Grieche mit leuchtenden Augen. Dann holt er tief Luft. «Ich hatte auch Zweifel – ich wusste nicht, ob ich es finanziell schaffe in der Schweiz.» Und ohne die Unterstützung seiner Eltern, wäre das nicht möglich gewesen. «Die Schweiz ist ein teures Land», sagt Lymperis nüchtern.

«Zurück nach Griechenland will ich nicht – nicht jetzt. Das Ja der Griechen vom Mittwoch zu den Bedingungen der Europäischen Union, ist eine Garantie für unsere Mitgliedschaft in der Euro-Zone.» Dieses Ja sei ein wichtiger Schritt. So könne das Vertrauen zwischen der griechischen und europäischen Regierung wieder hergestellt werden. Lymperis stockt: «Es sind scharfe Massnahmen für uns», sagt er. Doch es müsse sich vieles ändern in Griechenland, ist sich Stavros Lymperis sicher. Und über die nächsten Massnahmen stimmt das Parlament am Montag ab.

Ein anderes Leben

Seit Juli 2013 arbeitet er bei der Alstom in Baden. Zuerst als Praktikant, mittlerweile als Angestellter. Jedoch mit einem befristeten Vertrag. Für Lymperis war es wichtig, schnell Arbeit und Anschluss zu finden, als er in die Schweiz übersiedelte. «Ich war überrascht, wie viele Griechen hier leben.» Wegen der Arbeit neben dem Studium, benötigt er etwas länger für seinen Abschluss. Zur Zeit schreibt er noch an seiner Masterarbeit.

Zudem ist der Athener Vizepräsident der hellenischen Studentenvereinigung der ETH und Universität Zürich. Diese Studentenverbindung ist dazu da, jungen Griechen, die in die Schweiz migrieren mit Ratschlägen zur Seite zu stehen. Er versuche zu helfen, so gut er könne. Das Leben in der Schweiz sei anders als in Griechenland. «Das Klima, die Mentalität – die Menschen sind ruhiger, zurückhaltender. In den kühleren Jahreszeiten sind die Strassen hier, besonders sonntags, leer gefegt.» Lymperis zuckt mit den Schultern. Er habe damit keine Probleme. Andere Einwanderer aus dem Mittelmeerraum jedoch schon.

Die Zukunft

«Was ich mir für die Zukunft wünsche?», Lymperis neigt den Kopf nach rechts, dann nach links und überlegt. «Endlich richtig Deutsch lernen» - und lacht. «Ich kann zwar einen Kaffee bestellen, aber für ein Gespräch reicht mein Deutsch noch nicht aus.»

Seiner Heimat wünscht er eine funktionierende Politik, solide Infrastruktur und weniger Arbeitslosigkeit. «Bis dies erreicht ist, braucht es viel Geduld und Hoffnung.» Das Meer und die Sonne hätten sie ja bereits, sagt der Athener augenzwinkernd.