Prime Tower
Zürichs Top-Etage – ein Ladenhüter

Der Prime Tower steht. Doch die Räume sind noch lange nicht vergeben. Warum noch immer kein Mieter fürs Restaurant zuoberst im Prime Tower bekannt ist

Matthias Scharrer
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Keystone

Das vorläufig höchste Haus der Schweiz ist nahezu fertig. Doch die Top-Etage des Prime Towers erweist sich immer noch als Ladenhüter. An der Aufrichte Anfang Juli hatte Swiss-Prime-Site-CEO Markus Graf angekündigt, im Oktober bekannt zu geben, wer das zuoberst im 35.Stockwerk geplante Restaurant betreiben werde.

Schon damals gab es Gerüchte, wonach SPS nach einer erfolglosen ersten Runde die Miete massiv gesenkt habe, um doch noch Mieter anzulocken. Graf erklärte sich punkto Miete denn auch kompromissbereit, ohne jedoch Zahlen zu nennen.

Strategie: Nichts sagen!

Oktober ist nun längst vorbei, doch es herrscht weiterhin Funkstille. Zu Fragen, wie es um die Restaurant-Vermietung zuoberst im Prime Tower stehe, sagt SPS-Sprecherin Nicole Stamm nur: «Kein Kommentar.» Und vertröstet auf eine Medienmitteilung, die in den nächsten Wochen zu erwarten sei.

«Vielleicht wird etwas ganz anderes geplant»

Branchenkenner sind kein bisschen erstaunt über die offenbar schwierige Vermietung. Nicht nur die Miete schrecke ab, erklärt Ernst Bachmann, Präsident des Wirteverbands Gastro Zürich. Sondern auch der an so einer Lage nötige exklusive Innenausbau: «Man müsste mehrere Millionen Franken in die Hand nehmen, um dort ein Restaurant eröffnen zu können.» Das könne sich höchstens ein Grossunternehmen leisten.

Zudem seien Restaurants in oberen Stockwerken generell problematisch. Der Zugang entspreche nicht gerade dem, was man sich unter einem Restaurantbesuch vorstelle: «Man muss im Keller parkieren und dann mit dem Lift hinauffahren.»

Gäste werden kontrolliert

Alle wichtigen Player der Zürcher Gastroszene hätten daher beim Thema PrimeTower/Top-Etage abgewunken. «Irgendwann wird dann vielleicht etwas ganz anderes als ein Restaurant dort geplant», vermutet Bachmann.

Er ist mit seiner Einschätzung nicht allein. Der Bergdietiker Gastro- und Immobilienunternehmer Ezio Frapolli kam nach einer Besichtigung des Prime Towers zum Schluss: «Das Hauptproblem ist, dass die Gäste durch eine Sicherheitsschleuse müssen und kontrolliert werden.» Hinzu kämen die hohe Miete und der teure Innenausbau.

Zwei Jahre Anlaufzeit

Zwar seien mit der Wirtschaftsanwaltskanzlei Homburger und der Zürcher Kantonalbank potenziell zahlungskräftige Kunden im 126-Meter-Hochhaus eingemietet. «Aber es brauchte sicher zwei Jahre Anlaufzeit, um schwarze Zahlen zu schreiben», meint Frapolli.

Zumal die Anforderungen hoch sind: Laut SPS-CEO Graf ist ein Betrieb von früh bis spät vorgesehen. Zudem müsste der Wirt auch das einen Stock unter dem Restaurant gelegene Konferenzzentrum betreiben.

75 Prozent vermietet

Die Vermietung der übrigen Räume des Büroturms und seiner Nebenbauten (Investitionskosten: 355Millionen Franken) beim Bahnhof Zürich-Hardbrücke kam in den letzten Monaten ebenfalls nur wenig voran: Der Vermietungsstand stieg von Ende Juni bis September von 68 auf 75 Prozent. Neuere Zahlen waren von SPS-Sprecherin Stamm nicht erhältlich. Die Namen der Mieter blieben die gleichen.

Der auf dem Maag-Areal gelegene Prime Tower soll kommenden Mai vollendet sein. Im Sommer ziehen dann die ersten Mieter ein. Und im Herbst sollen die Restaurants eröffnet werden. Fürs Erdgeschoss hat sich unter dem Titel Raum Zürich 05 eine Cafebar eingemietet. Wer zuoberst wirtet, steht in den Sternen.