Verkehrsunfallstatistik
Zürichs Strassen sind sicherer - ausser für Velofahrer in der Stadt

Im Kanton Zürich kommen immer weniger Personen auf der Strasse ums Leben: Die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer hat mit 22 einen neuen Tiefstwert erreicht. Doch Ablenkung und Unaufmerksamkeit nehmen zu – Handy und Navigationsgerät spielen dabei eine Hauptrolle.

Matthias Scharrer
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Das Unfallrisiko für Velofahrer hat sich in Zürich erhöht. Keystone

Das Unfallrisiko für Velofahrer hat sich in Zürich erhöht. Keystone

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16 196 Verkehrsunfälle gab es letztes Jahr im Kanton Zürich. Das sind 20 Prozent mehr als im Mittel der letzten fünf Jahre. Zwar sei ein Teil der Zunahme durch eine neue Zählweise der Stadtpolizei Zürich zu erklären, ein anderer Teil durch das Bevölkerungswachstum, hiess es gestern an der Medienkonferenz der Kantonspolizei zur Verkehrsunfallstatistik 2016. Doch auch ohne die Städte Zürich und Winterthur stieg die Zahl der Unfälle um acht Prozent – und damit deutlich stärker als die Einwohnerzahl: Das Bevölkerungswachstum belief sich 2016 im Kanton Zürich auf 1,3 Prozent.

Darauf angesprochen, sagt Frank Schwammberger, Verkehrspolizeichef der Kantonspolizei: «Der Verkehr wächst, die Bevölkerung wächst – und wenn Sie an die E-Bikes denken, die ganz schwere Unfälle verursacht haben: Das sind neue Phänomene.» Auch das Wetter habe auf die Zahl der Zweiradunfälle einen starken Einfluss. Daher verlaufe die Entwicklung der Unfallzahlen nicht parallel zum Bevölkerungswachstum.

Doch dies sind nicht die einzigen Gründe: Besonders auffällig sei die starke Zunahme der häufigsten Unfallursache Ablenkung und Unaufmerksamkeit. Sie stieg gegenüber dem Mittel der letzten fünf Jahre um 30 Prozent. Dabei spielt eine Ablenkung eine wichtige Rolle, die den Alltag immer mehr beherrscht: «Das ist ganz klar das Handy», so der Verkehrspolizeichef der Kapo. Nach wie vor sehe man viele Leute im Strassenverkehr mit dem Handy am Ohr unterwegs – obwohl dies am Steuer verboten ist. «Auch das Telefonieren über die Freisprechanlage lenkt ab», so Schwammberger. Das Hantieren am Navigationsgerät sei ebenfalls eine häufige Unfallursache. Nach Ablenkung und Unaufmerksamkeit sind zu hohe Geschwindigkeit und Alkohol laut dem Verkehrspolizeichef die wichtigsten Unfallursachen.

22 Tote – erneut ein Tiefststand

Während die Zahl der Unfälle insgesamt zuletzt deutlich zunahm, ist jene der Schwerverletzten und der Verkehrstoten gesunken. 22 Menschen verloren letztes Jahr bei Verkehrsunfällen im Kanton Zürich ihr Leben. Das ist zum vierten Mal in Folge ein neuer Tiefststand – und weit entfernt vom Höchststand aus dem Jahr 1971 mit 260 Toten. «Der Verkehr ist sicherer geworden», folgert Schwammberger. Die Zahl der Schwerverletzten sank gegenüber dem Mittel der letzten fünf Jahre um sieben Prozent auf 567. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der Leichtverletzten um 17 Prozent auf 3355.

Die grössten Gefahren lauern im Innerortsverkehr: Hier ereigneten sich letztes Jahr 59 Prozent der Unfälle mit Schwerverletzten. Die Opfer waren dabei in 40 Prozent der Fälle Velofahrer; am zweithäufigsten traf es Fussgänger (28 Prozent). Ausserorts kam es zu 31 Prozent der Unfälle mit Schwerverletzen, wobei ein Drittel der Opfer Motorradfahrer waren und je ein Viertel Velo- respektive Autofahrer. Auf den Autobahnen im Kanton Zürich kam es zu lediglich 10 Prozent der Unfälle mit Schwerverletzen, obwohl dort die Hälfte aller Fahrkilometer zurückgelegt wird. «Unsere Autobahnen sind die sichersten Strassen», so Schwammbergers Fazit. Mit Abstand am meisten Unfälle ereignen sich im Kanton Zürich auf Nebenstrassen (2016: 8343), gefolgt von Hauptstrassen (2016: 4111) und Autobahnen (2016: 2169).

Stadt Zürich: Mehr Velo- als Autounfälle in der Stadt

In der Stadt Zürich sind im Jahr 2016 mehr Personen auf dem Velo verunfallt als mit dem Auto: Es traf 460 Velo- und 427 Personenwagenfahrer, wie die Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr gestern bekannt gab. Zur markanten Zunahme an verunfallten Velofahrern kam es, obwohl im Jahr 2016 in Zürich wetterbedingt weniger Velofahrten stattfanden als 2015. «Zwei Drittel der Velounfälle hätten von den Velofahrern selbst verhindert werden können», so Wernher Brucks von der Stadtzürcher Dienstabteilung Verkehr.

Bei gut einem Drittel handelte es sich nämlich um vom Velo verursachte Kollisionen, bei knapp 30 Prozent um einen Sturz ohne Fremdeinwirkung. Gut ein Drittel seien von anderen Verkehrsteilnehmern verursachte Kollisionen. Der Anteil der E-Bikes an allen Velounfällen lag unverändert bei neun Prozent. Die Stadt Zürich werde auf die Zunahme an Velounfällen reagieren, sagte Brucks. Dabei seien Schulungen von Velofahrern, Sensibilisierung der anderen Verkehrsteilnehmenden und durchgehende Velowege wichtig.

Handlungsbedarf bestehe auch bei der Durchsetzung der Verkehrsregeln, schreibt die Dienstabteilung Verkehr in einer Medienmitteilung. Insgesamt kam es in der Stadt Zürich 2016 zu 5556 Unfällen, davon waren 1262 Unfälle mit Personenschaden. Klare Hauptursache waren wie im übrigen Kantonsgebiet Unaufmerksamkeit und Ablenkung, gefolgt von Alkoholeinfluss und zu hoher Geschwindigkeit. Wobei Alkohol in der Stadt Zürich noch nie bei so wenigen Unfällen im Spiel war wie 2016. (mts)