Gastronomie
Zürichs erstes Crowdfunding-Restaurant eröffnet in Wiedikon

In Wiedikon wurde das erste durch Crowdfunding finanzierte Restaurant in Zürich eröffnet. Nun, wo alles ins Laufen gekommen ist, überlegen sich die Verantwortlichen, schon früher als zunächst geplant das Restaurant auch über Mittag zu öffnen.

Alfred Borter
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Die Wirtschaft im Franz setzt auf Nachhaltigkeit: Co-Geschäftsführer Sebastian Funck (rechts) mit Koch Fabian Voit und Chef de Service Anja Cox.

Die Wirtschaft im Franz setzt auf Nachhaltigkeit: Co-Geschäftsführer Sebastian Funck (rechts) mit Koch Fabian Voit und Chef de Service Anja Cox.

Limmattaler Zeitung

Nach zwanzig Jahren im Gastgewerbe fand der heute 37-jährige Sebastian Funck zusammen mit Christin Temperli, es wäre schön, die eigenen Ideen in einem eigenen Lokal umsetzen zu können. Und jetzt wirten sie zusammen in der Wirtschaft im Franz in Wiedikon.

«Im Franz» - wie kommt das Restaurant zu diesem Namen? Funck lacht: Das Lokal befindet sich im Frauenzentrum, einem Haus von Frauen für Frauen, oder kurz: im Franz. Es sei der Wunsch der Frauen gewesen, das Lokal, in dem nun natürlich Frauen und Männern gleichermassen willkommen sind, wenigstens im Namen entsprechend zu kennzeichnen.

«Wir haben uns sofort in das Lokal verliebt», sagt Funck. Die offene Küche, der dezente Charme des Raums, die Grösse - es finden ungefähr 45 Gäste Platz -, der Standort des Gebäudes in einem Hinterhof, der die Möglichkeit bietet, im Sommer auch einen Aussenbereich zu pflegen, das alles sagte ihm und seinen Mitinitianten zu. Und der Businessplan zeigte auf, dass ein Erfolg im Bereich des Möglichen liegt.

Sich Zeit nehmen

Es war einem Zufall zu verdanken, dass Funck und Temperli davon Wind bekamen, dass die Frauen für ihr Restaurant einen Pächter suchten, und man wurde handelseinig. «Das Konzept hatten wir schon längst im Kopf», merkt Funck an. Ihr Ziel ist es, Gastronomie auf einem höheren Niveau anzubieten, die trotzdem ohne Firlefanz auskommt.

Geboten wird im Franz jeden Abend ein Viergangmenu mit nur zwei Varianten: eines für Vegetarier, eines für Fleischliebhaber. Vier Gänge sollen es sein, damit man sich richtig Zeit nehmen kann für ein Verwöhnprogramm, erläutert der Gastwirt.

Und nur zwei Menüs ersparen dem Gast die Qual der Wahl. Zudem erleichtert die Beschränkung der Menuauswahl der Küchencrew die Zubereitung der Speisen. Und nicht zuletzt entstehen dadurch auch weniger Abfälle.

Nachhaltiges Wirtschaften steht beim Team des Franz oben auf der Traktandenliste. Entsprechend arbeitet man mit der Arbeitsgemeinschaft Pflanzplatz Dunkelhölzli zusammen, wo man nicht nur Gemüse bezieht, sondern auch selbst anpackt, sei das beim Pflanzen, beim Jäten oder beim Ernten von Lauch, Schwarzwurzeln oder Frühlingszwiebeln. Weitere Kooperationen sind denkbar.

Abgesehen davon ist Funck, der nicht nur als Co-Geschäftsleiter, sondern auch als Chefkoch wirkt, öfter auf dem Markt am Helvetiaplatz oder am Bürkliplatz anzutreffen. Es sei nicht nur eine Freude, die frischen Produkte unter die Lupe zu nehmen, er kehre auch immer wieder mit neuen Ideen für ein Menü zurück, erläutert er.

«Leute, wo bleibt ihr denn?»

Nach der Zeit der Konzeptentwicklung und des Einrichtens hat man die ersten Tage unter Normalbetrieb gut überstanden. Es gab Abende, da war das Lokal voll besetzt, aber auch andere, da wären ein paar zusätzliche Gäste durchaus erwünscht gewesen. «Leute, wo bleibt ihr denn?», habe Funck da gedacht, es sei doch alles bereit. Mittlerweile stellt er fest, dass nicht nur die Esstische, sondern auch die Plätze an der Bar sehr beliebt sind. Dort kann man auch bloss ein Bier trinken oder zu einem Glas Wein eine Kleinigkeit essen.

Ganz alle Entscheide werden dem Gast dann doch nicht abgenommen: Wer einen speziellen Wein ordern will, der hat durchaus eine Auswahl. Dass die Weine auch hohe Anforderungen erfüllen, dafür sorgt die Sommelière Pascale Gut, die wie die meisten Crewmitglieder in «Kaisers Reblaube» bei Peter Brunner ihre Sporen abverdient hat.

Spezielle Finanzierungsart

Speziell ist am neuen Restaurant auch die Finanzierungsart. Auf Anregung eines guten Freundes probierte man es mit Crowdfunding: Statt sich um einen Bankkredit zu bemühen, haben sie Freunde und Bekannte angefragt, sich am Projekt zu beteiligen, wobei ihnen ein nicht allzu grosser Zins in Aussicht gestellt wurde. Und tatsächlich: Am Schluss kamen 170 000 Franken zusammen. «Jetzt sind wir das erste Restaurant, dessen Finanzierung auf Crowdfunding beruht», stellt Funck fest.

Nun, wo alles ins Laufen gekommen ist, überlegen sich die Verantwortlichen, schon früher als zunächst geplant das Restaurant auch über Mittag zu öffnen. «Das Interesse wäre da», hat Funck erfahren. Nun muss nur noch abgeklärt werden, ob sich das auch rechnen würde.

Wirtschaft im Franz
Bremgartenstrasse 18, 8003 Zürich, www.wirtschaftimfranz.ch