Geroldareal
Zürich will Zusage für die Realisierung des Kongresszentrums

Die Stadt will nicht endlos diskutieren, sie strebt für dieses Jahr eine Zusage für die Realisierung des Kongresszentrums an. Das Geld ist auch ein Thema. Die Stadt wolle einen fairen Preis, sonst würde der Kauf politisch nicht akzeptiert.

Alfred Borter
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Geroldareal in Zürich-West

Geroldareal in Zürich-West

Keystone

Frau Gerolds Garten, das Areal mit Restaurant und Bar hinter dem Freitag-Containerturm, liegt im Winterschlaf, es öffnet erst wieder im April. Aber in den Shops und Ateliers des Geroldsmarkts und den übrigen Gebäuden auf dem Areal entlang den SBB-Gleisen zwischen Hardbrücke und Bahnviadukt herrscht Leben. Und hinter den Kulissen tut sich auch einiges, wie von Urs Spinner, dem Pressesprecher des Stadtzürcher Hochbaudepartements, zu erfahren ist. Das Areal ist seit Jahren im Gespräch als Standort für ein neues grosses Kongresszentrum für 3000 Gäste, das das zu klein gewordene Kongresshaus am See mit seinen 1500 Plätzen ersetzen soll.

Stadt will fairen Preis

Noch vor dem Jahreswechsel hat die Stadt mitgeteilt, dass die Heilsarmee, die an der Geroldstrasse ein Brockenhaus samt angegliedertem Heim betreibt, bereit ist, ihre Liegenschaft der Stadt zu verkaufen. Jetzt möchte man vorwärts machen, wie Urs Spinner erwähnt. Die Verhandlungen mit dem grössten Grundeigentümer, Georg Mayer-Sommer, seien im Gang. «Die Angelegenheit ist komplex», lässt Spinner verlauten. Auch das Geld sei ein Thema. «Die Stadt will einen fairen Preis, sonst wird der Kauf politisch nicht akzeptiert.»

Eigentlich hatte der Stadtrat bereits für 2011 dem Gemeinderat eine Weisung für einen Projektierungskredit vorlegen wollen, doch daraus wurde nichts; auch 2012 schleppten sich die Verhandlungen dahin. Die Stadt strebt nun an, dass im laufenden Jahr ein verbindlicher Vertrag zustande kommt. Offensichtlich will die Stadt nicht endlos weiterdiskutieren. «Eine blosse Absichtserklärung, ein Letter of Intent, reicht der Stadt nicht», betont Spinner. Der Stadtrat wolle zu einem Abschluss kommen. «Und dann wird dem Gemeinderat eine Erhöhung des Planungskredits vorgelegt, damit er sich frühzeitig zum gewählten Standort äussern kann.»

Der Gemeinderat hat im letzten Dezember den Budgetkredit für die Planung des neuen Kongresszentrums um 600 000 Franken auf noch 900 000 Franken gekürzt, doch wirkt das nach den Worten des Sprechers des Hochbaudepartements nicht als Bremse. «Das gefährdet die aktuelle Planung nicht», hält er fest, man sei ja mit den Verhandlungen ohnehin nicht so weit wie vorgesehen vorangekommen. Auch stört offenbar nicht, dass Mayer-Sommer den Vertrag mit dem Club Supermarket, der auf dem Areal beheimatet ist, bis Anfang 2015 verlängert hat. Ein Baubeginn wäre laut Spinner aus Sicht der Stadt ohnehin erst für 2016 realistisch.

Alternative Carparkplatz

Und wenn die Bemühungen, mit dem Immobilienbesitzer Mayer-Sommer ins Einvernehmen zu kommen, doch scheitern sollten? Dann werde man auf den Alternativstandort Carparkplatz beim Hauptbahnhof zurückkommen, erklärt Spinner. Dieser Platz wird von verschiedener Seite, so von der Zürcher Handelskammer und vom Kantonalen Gewerbeverband, bevorzugt, aber nicht von der Stadt. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass im Gesamtplan eine Untertunnelung des Grundstücks für eine neue Strasse vorgesehen ist. Wenn das Geroldareal als Standort für das neue Kongresszentrum ausser Betracht fallen sollte, dann müssten sich gemäss Spinner «Bund und Kanton darüber klar werden, ob sie an diesen Plänen festhalten oder nicht». Zudem ist der Carparkplatz für ein Kongresszentrum sehr eng bemessen, man müsste schauen, wo das Kongresshotel Platz fände. Infrage kommt, für das Kongresshotel auf das in der Nähe liegende SBB-Areal Zollstrasse auszuweichen. Die SBB sind dem nicht grundsätzlich abgeneigt, wie SBB-Sprecher Daniele Pallecchi bestätigt; man könne prüfen, ob sich die SBB-Landreserven auch für Nebennutzungen des Kongresszentrums eignen würden.

Lieber nicht ausserhalb der Stadt

Weitere Alternativen sind aber nicht in Sicht, wie Spinner erwähnt. Das auch schon in die Diskussion geworfene Kasernenareal sei schon darum kaum geeignet, weil die Kasernengebäude unter Denkmalschutz stehen und die Freiflächen dem Quartier gehören. Und dem geplanten Circle beim Flughafen Kloten haftet der Nachteil an, dass der geplante Kongressteil auch bloss auf 1500 Personen ausgelegt ist, wo man in Zürich die doppelte Kapazität anbieten möchte. Abgesehen davon kann ein Kongresszentrum am Flughafen den Teilnehmern nicht das bieten, was mitten in Zürich möglich wäre, nämlich Shopping in der City und die Nähe zu den Kulturstätten.