Tamedia
Zürich: Westschweizer Journalisten demonstrieren gegen Tamedia-Sparpläne

Vor der Generalversammlung des Medienhauses Tamedia heute Nachmittag in Zürich haben Westschweizer Journalisten in Lausanne gegen ein Sparprogramm von 34 Millionen Franken demonstriert. Eine Delegation stieg in den Zug nach Zürich, um zu protestieren

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Demonstration Tamedia
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Tamedie tötet eure Medien
Auch in Zürich werden Demonstranten erwartet.

Demonstration Tamedia

Keystone

Vor der Generalversammlung des Medienhauses Tamedia heute Nachmittag in Zürich haben Westschweizer Journalisten in Lausanne gegen ein Sparprogramm von 34 Millionen Franken demonstriert. Eine Delegation stieg in den Zug nach Zürich, um an der GV zu protestieren.

Am Bahnhof Lausanne demonstrierten rund 140 Journalisten aus Lausanne und Genf gegen die Sparpläne. Auf Plakaten waren Schlagzeilen zu lesen wie «Tamedia tue vos médias» (Tamedia tötet eure Medien) oder «Strukturbeitrag, 1,2,3, genug ist genug».

«Sie haben das Vertrauen zerstört und sie haben die Leidenschaft zerstört, die der Motor der Presse ist. Ohne Leidenschaft gibt es keine Dividende», sagte Ludovic Rocchi von der Zeitung «Le Matin».

Unter Beifall wurde auf dem Perron die Delegation nach Zürich verabschiedet. Die Gewerkschaft impressum erwartet vor dem Kongresshaus eine grosse Anzahl Journalisten und Druckereimitarbeitende.

Halbierung der Dividende statt Entlassungen

Die Kundgebungs-Teilnehmer werden in Zürich die Aktionäre empfangen und sie dazu auffordern, auf die Hälfte der Dividende von 4.50 Franken und dafür auf Entlassungen zu verzichten. Tamedia hatte Ende März ein Sparprogramm von 34 Millionen Franken für die nächsten drei Jahre angekündigt.

In der Westschweiz müssen knapp 18 Millionen Franken gespart werden. Betroffen sind unter anderem die Titel «Le Matin», «24 heures» und «Tribune de Genève». In der Romandie hatte das Sparprogramm zu heftigen Protesten geführt, auch weil Tamedia im 2012 einen Gewinn von 152 Millionen Franken erzielt hatte.

Das Medienhaus gibt in der Deutschschweiz zahlreiche Zeitungen heraus, darunter den «Tages-Anzeiger» und den «Bund». Obwohl die übrigen 16 Millionen Franken des Sparpakets die Deutschschweiz betreffen, blieben dort Proteste bisher weitgehend aus.

In der Westschweiz kam es bereits zu zwei Treffen mit der Genfer und der Waadtländer Regierung. Dabei bekräftigte Tamedia, keine Zeitungen in der Romandie schliessen oder zusammenlegen zu wollen.

Verglichen mit den Protesten in der Westschweiz reagieren die Zürcher Journalistinnen und Journalisten zurückhaltend. Zu grossen Unmutsbekundungen kam es seit Bekanntgabe der Sparpläne nicht. Auch der Aufmarsch vor dem Kongresshaus am Freitag war eher spärlich.