Gesundheit
Zürich wehrt sich gegen Profiteur-Kantone bei Behandlungskosten

Sonderlasten in zweistelliger Millionenhöhe hat der Kanton Zürich jedes Jahr zu tragen, weil andere Kantone ihm Patienten zuweisen, deren Behandlung mehr kostet, als die Fallpauschale-Vergütung ausmacht. Schweizweit soll Abhilfe geschafft werden.

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Viele Patienten und Patientinnen werden zur Behandlung in den Kanton Zürich geschickt (Themenbild).

Viele Patienten und Patientinnen werden zur Behandlung in den Kanton Zürich geschickt (Themenbild).

Keystone

Bei etwa einem von hundert Patienten kostet die Behandlung über 30'000 Franken mehr, als via Fallpauschale vergütet wird, so die Mitteilung zum Gesundheitsversorgungsbericht 2014 des Kantons Zürich, der am Dienstag veröffentlicht wurde. In einzelnen Fällen belaufe sich dieser Kostenüberschuss gar auf mehr als ein halbe Million Franken.

Bei solch teuren Fällen gehe es nicht in erster Linie um die Schwere der jeweiligen Erkrankung, die in der Bemessung der Fallpauschale berücksichtigt ist, erklärte Hansjörg Lehmann von der Gesundheitsdirektion. Es seien vor allem die schweren Verläufe - etwa als Folge von Komplikationen, verbunden mit einem langen Spitalaufenthalt.

Keine Standardbehandlung

Bei hochdefizitären Fällen handelt es sich laut Bericht besonders häufig um Patienten aus der Transplantationsmedizin oder solche mit schweren Verbrennungen. Für sie gibt es keine standardisierten oder planbaren Behandlungsabläufe wie für "Standardeingriffe". Meist ist eine individuelle Behandlung nötig. Eine faire Pauschalvergütung ist deshalb nicht möglich.

Verschiedene Kantone schickten nun solche Patientinnen und Patienten in den Kanton Zürich, die meisten ans Universitätsspital (USZ), ohne diesem allerdings auf ihrer kantonalen Spitalliste einen umfassenden Leistungsauftrag erteilt zu haben. Manche Patienten würden gar erst überwiesen, wenn schon Komplikationen eingetreten seien, so die Mitteilung.

Aus medizinischer Sicht sei es durchaus richtig, dass Patienten mit komplexen Erkrankungen am USZ behandelt würden. Problematisch sei aber die ungenügende Finanzierung dieser Fälle: Die Defizite müssen laut Bericht mit Gewinnen bei den übrigen Fällen kompensiert werden.

Strapazierte interkantonale Solidarität

Solche Fälle "strapazieren das Fallpauschalensystem und die interkantonale Solidarität", wie es in der Mitteilung heisst. Das USZ müsse ein Defizit von rund 25 Millionen Franken im Jahr verbuchen, während die Spitäler in anderen Kantonen profitierten, weil sie die Kosten für die hochdefizitären Patienten nicht zu tragen hätten.

Von diesem Ungleichgewicht ist gemäss Gesundheitsdirektion nicht allein das USZ betroffen, sondern - in geringerem Masse - auch die anderen Schweizer Universitätsspitäler. Es sei unabdingbar, das Problem auf nationaler Ebene anzugehen: Zu prüfen sei eine spezifische Behandlung hochdefizitärer Patienten.

Korrektur auf zwei Wegen möglich

Der Kanton Zürich schlägt zwei Wege vor, wie der Missstand behoben werden könnte. Erstens eine Einschränkung der Abgeltung mit Fallpauschale: Hat ein Wohnkanton dem behandelnden Spital keinen Leistungsauftrag vergeben, werden anstelle der Fallpauschale die effektiven Kosten abgegolten. Die Differenz zwischen diesen und dem Ertrag aus der Fallpauschale müsste der Wohnkanton bezahlen.

Als zweite Möglichkeit schwebt der Gesundheitsdirektion ein nationaler Hochrisikopool vor. Aus diesem würden die Kosten der defizitärsten Patienten in Schweizer Listenspitälern mitfinanziert.

Einen Teil der Kosten hätten die Spitäler zu tragen - als Anreiz für effiziente Behandlungen. Die Kosten des Pools trügen Kantone und Versicherer. Mehrkosten entstünden dennoch nicht. Die Unispitäler müssten die hochdefizitären Fälle nicht mehr quersubventionieren und könnten ihre Tarife auf das Niveau anderer Spitäler senken.